München. (rs) Wenn Siemens in den vergangenen Monaten in den Schlagzeilen war, dann waren das meist keine guten. Auf die gekippte Rendite-Prognose, die Ende Juli quasi über Nacht und mit erheblichem Getöse publik wurde, folgte das Ablösedrama um den österreichischen Konzernchef Peter Löscher, dem nicht mehr viel zur Seifenoper fehlte. Und auch der neue Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser, der den zuletzt von Pannen und unternehmerischen Fehlentscheidungen geschüttelten Münchner Weltkonzern wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern soll, konnte in den ersten Monaten seiner Amtszeit nur bedingt mit Positivmeldungen aufwarten. Ende September musste der neue Mann an der Spitze, der anders als Löscher ein langgedienter Siemensianer ist, die Streichung von 15.000 Stellen bekanntgeben.

Doch nun kann Kaeser zumindest auf eine gewisse Konsolidierung verweisen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 hatte Siemens mit 4,2 Milliarden Euro zwar um ein Zehntel weniger verdient als im Vorjahreszeitraum, doch gleichzeitig konnte das zuvor abgesenkte Gewinnziel um 200 Millionen Euro übertroffen werden. "Mit einem soliden vierten Quartal haben wir ein bewegtes Geschäftsjahr 2013 abgeschlossen", sagte Kaeser am Donnerstag.

Doch der 56-Jährige möchte ohnehin lieber in die Zukunft blicken. Ein Jahr gibt sich Kaeser, um mit schärferer Risikokontrolle, besserem Management und dem bereits laufenden milliardenschweren Sparprogramm dafür zu sorgen, dass am Ende mehr Gewinn übrig bleibt. Die Marge des Technologieriesen, dessen Umsatz sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 75,9 Milliarden Euro belief, soll dann auf etwa zehn Prozent steigen. Damit soll endlich der ersehnte Anschluss an die Rivalen ABB und GE gelingen, denen die Münchner seit längerem hinterherhinken.

Konkrete strategische Pläne möchte Kaeser, der die Siemens-Aktionäre auch mit einem milliardenschweren Aktienrückkauf bei Laune halten will, erst im Mai vorlegen. Danach soll es allerdings zügig gehen, bis Oktober soll sein Wille im Konzern umgesetzt sein.

Kaeser will zudem die Firmenkultur verändern, damit teure Probleme wie der missratene Anschluss von Windparks auf See oder die Verzögerungen bei der Lieferung von ICE-Zügen nicht mehr so häufig vorkommen. Mit einem Kreis von 50 Top-Managern will er dafür sorgen, dass der Belegschaft die Angst genommen wird. "Die Mitarbeiter müssen wissen, ihnen wird nicht der Kopf abgerissen, wenn Sie sagen: Ich komme hier nicht mehr weiter." Gleichzeitig sollen in Zukunft weniger hochriskante Aufträge angenommen werden. In der Vergangenheit hat sich Siemens mehrmals bei solchen Projekten überhoben.

Doch bei allem Optimismus bleibt Kaeser auch vorsichtig. Seiner Ansicht nach kann der Konzern, der auch in Österreich knapp 9000 Mitarbeiter beschäftigt, in den nächsten Monaten nicht mit zusätzlichem konjunkturellem Rückenwind rechnen. Vergleichsweise verhalten ist dementsprechend auch die Prognose für den Gewinn pro Aktie. Während viele Analysten hier von einem Anstieg von bis zu einem Drittel ausgegangen waren, rechnet Kaeser unter der Voraussetzung, dass der Umsatz stabil bleibt, nur mit einer Steigerung von 15 Prozent.