Wien. (sf/ede) Das Gesprächsklima war "lösungsorientiert": Nach nur drei Verhandlungsrunden haben sich die Sozialpartner auf einen neuen Kollektivvertrag für über eine halbe Million Beschäftigte im österreichischen Handel geeinigt. Erstmals seit 1988/89 gibt es einen Doppelabschluss: Ab Jänner 2014 steigt das Mindestgehalt von Vollzeit-Angestellten auf 1450 Euro brutto, ab Jänner 2015 auf 1500 Euro. Das gaben Gewerkschaft und Arbeitgeber am Mittwochnachmittag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt.

Bis zur Grenze von 1850 Euro steigen die Gehälter im Jahr 2014 um 2,55 Prozent, darüber um 2,5 Prozent. Im Jahr 2015 errechnet sich das Gehaltsplus aus der durchschnittlichen Inflation (von Oktober 2013 bis September 2014) und einem Aufschlag von 0,4 Prozent. Lehrlinge erhalten sowohl 2014 als auch 2015 gestaffelte Aufschläge von 14 Euro im ersten Lehrjahr, 20 Euro im zweiten, 30 Euro im dritten und 26 Euro im vierten Lehrjahr.

Grund für den Doppelabschluss im Handel ist ein komplett neues Gehaltsschema, das die Sozialpartner ab Jänner 2014 vereinbaren wollen. "Dafür brauchen wir Zeit. Wir wollen uns nicht von KV-Verhandlungen stören lassen", sagte Sparten-Geschäftsführer und Arbeitgeber-Verhandler Rene Tritscher.

Mit dem Doppelabschluss sei ein Riesenschritt nach vorne gelungen, der zeige, "dass sachlich-konstruktive Verhandlungen zu innovativen Ergebnissen führen. Der Doppelabschluss bringt den Unternehmen Planungssicherheit, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bringt er eine klare Gehaltsperspektive für die kommenden zwei Jahre", lobt Bettina Lorentschitsch, Obfrau der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), die Bereitschaft zur Innovation der Verhandlungspartner auf beiden Seiten.

Metaller starten Gespräche über Arbeitszeit


"Mit diesem richtungsweisenden Gehaltsabschluss hat der Handel endgültig klargestellt, dass er kein Niedriglohnbereich ist. Damit ist der Weg frei für die Weiterentwicklung eines zeitgemäßen Entgeltschemas, dem wir uns in den kommenden beiden Jahren intensiv widmen werden", so Manfred Wolf, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter in der GPA-djp.

Die Metaller-Lohnrunde ist vergangene Woche nach 120 Verhandlungsstunden zu Ende gegangen. Für alle sechs Fachverbände gab es einen einheitlichen Abschluss von im Schnitt 2,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Damit setzten sich die Gewerkschafter durch, die die Aufspaltung der Verhandlungen in die sechs Verbände durch die Industrie immer abgelehnt hatten und bereits vor dem Feilschen einen einheitlichen Abschluss angekündigt hatten.

Nun geht das Feilschen um eine neue Arbeitszeitregelung los. Im Dezember starten die Gespräche zwischen dem größten Fachverband, der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI), und den Gewerkschaften Pro-Ge sowie GPA.

Die Industrie fordert ein Zeitkonto. Dieses sieht vor, dass ab einer Arbeitszeit von 9 Stunden am Tag Überstundenzuschläge bezahlt werden. Des Weiteren fallen Überstundenzuschläge an, wenn die Arbeitnehmer im Zeitraum "x" mehr als 167 Stunden Mehrarbeit geleistet haben. Wie lange dieser Zeitraum "x" dauert, sollen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Betriebsebene ausmachen. Dies kann laut Industrie kürzer als ein Jahr sein - oder auch länger.

Für die Gewerkschaften ist dies eine Kürzung der Überstundenzuschläge durch die Hintertür und wird daher abgelehnt. Vielmehr fordern die Arbeitnehmervertreter mehr Freizeit für besonders belastete Berufsgruppen - ohne Lohnverzicht.