Wien. (sf) Sie schuften zehn bis zwölf Stunden täglich, in der Vorweihnachtszeit können es sogar bis zu 14 Stunden werden: "Der Druck auf die Paketzusteller, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Pakete abzuliefern, ist sehr hoch", sagt Bettina Haidinger von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba). Um dem Kostendruck standzuhalten, werde an der Schraube der Löhne und Arbeitsbedingungen gedreht, sagt die Autorin einer Studie über die Arbeitsbedingungen der Paketzusteller aus dem Jahr 2012.

"Immer mehr Paketzusteller sind nicht angestellt, sondern arbeiten als Selbständige", sagt Haidinger. Um Transporte möglichst günstig anzubieten, werden Subfirmen beauftragt. Die Konstruktionen sind vielfach kompliziert: Die Paketfirmen beauftragen Subunternehmen, die für die Zustellung in einem Gebiet wiederum mit Subfirmen - vielfach Ein-Personen-Betrieben - zusammenarbeiten. Bezahlt werden die Selbständigen meist pro ausgeliefertes Paket oder pro Stopp. Auch unselbständig beschäftigte Paketzusteller klagen über zunehmende körperliche und psychische Belastungen, wenn sie etwa schwere Gegenstände wie Waschmaschinen mehrere Stockwerke hinaufschleppen müssen.

Auch die Post AG beauftragt Subunternehmen


Wie viele Personen in Österreich als Paketzusteller tätig sind, lässt sich nicht feststellen. Einerseits beschäftigt die Post AG mehr als 500 Paketzusteller, im ländlichen Raum werden Pakete aber auch von Briefzustellern zum Empfänger gebracht. Außerdem werden in einigen Gegenden Subunternehmen zur Zustellung eingesetzt. Dazu kommen Mitarbeiter von Subfirmen der Paketunternehmen, die in den Kollektivvertrag (KV) Kleintransportgewerbe fallen. Andere Beschäftigte sind hingegen dem KV Spedition zuzurechnen, und viele arbeiten auf selbständiger Basis. Eine gemeinsame Interessensvertretung gibt es nicht. Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit und Teilzeit und niedrige Löhne seien essenziell für Unternehmen, die neu in den Markt eintreten, heißt es in der Studie "Main Developments in the Postal Sector (2010-2013)", die Wik-Consult im Auftrag der EU-Kommission erstellt hat.

Die Fluktuation in der Branche ist hoch, viele Migranten sind als Paketzusteller tätig. Eine Prüfung der Krankenkassen, wie viele Paketzusteller als Scheinselbständige anzusehen sind und angestellt werden müssten, würde das Problem wohl auch nicht lösen, meint Haidinger: Denn einige Zusteller wollen selbständig bleiben, weil sie keine Arbeitserlaubnis für Österreich besitzen.