Graz. Ein Streit über Preiserhöhungen zwischen Milchwirtschaft und Lebensmittelhandel verursacht derzeit Engpässe bei Eigenmarken-Produkten im Handel. Heuer wurde bisher aufgrund der langen Trockenheit im Sommer 1,5 Prozent weniger Milch geliefert, erst im Herbst sind die Mengen wieder gestiegen. Derzeit werde verhandelt, man hoffe, dass das Thema in 14 Tagen erledigt sei, hieß es beim AMA-Marktforum am Donnerstag in Graz.

Molkereien wollen höheres Milchgeld abgegolten haben


Für die Bauern habe es zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor gegeben, im September wurde im Durchschnitt 38,86 Cent netto je Kilogramm Milch ausgezahlt, sagte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM). Diese Anpassungen habe man in Österreich vom Handel später oder nicht im vollen Umfang zurückerhalten. Petschar warnt vor "entsprechenden Umdisponierungen von Milchmengen". Tatsächlich wurden heuer schon rund 300 Millionen Liter Milch nach Deutschland oder nach Südtirol geliefert. Eine ähnliche Entwicklung habe es 2007 bis 2009 gegeben - im Anschluss sei der Milchpreis abgestürzt und habe erst jetzt wieder den Wert aus der Zeit des EU-Beitritts 1995 erreicht.

Neben vereinzelten Lücken im Regal bei Eigenmarken sei auch zu beobachten, dass Handelsketten die österreichische Ware austauschten, sagte VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer. So sei bei einer Eigenmarken-Butter bei einem großen Anbieter in jüngster Zeit das AMA-Gütesiegel verschwunden, was Hinweis darauf ist, dass nicht mehr nur österreichische Milch verarbeitet wird. Die Molkereien fordern "um die zehn Prozent" mehr Geld vom Handel, ist in der Branche zu vernehmen. Das sei aber Sache der einzelnen Molkereien. Einen Engpass bei den Milchprodukten insgesamt werde es nicht geben, beruhigte Költringer.