Ohne Kündigungsschachtel will die Bank Austria in den nächsten zwei Jahren 850 Mitarbeiter abbauen. Ob das überall gelingt? - © fotolia
Ohne Kündigungsschachtel will die Bank Austria in den nächsten zwei Jahren 850 Mitarbeiter abbauen. Ob das überall gelingt? - © fotolia

Wien. Rund 70.000 Beschäftigte arbeiten im heimischen Bankensektor. Diese Zahl blieb in den vergangenen zehn Jahren mehr oder weniger konstant. Doch jetzt dürfte der länger prognostizierte Jobabbau voll einsetzen. Starkes Indiz dafür: Die Bank Austria hat am Donnerstag angekündigt, 850 der knapp 10.000 inländischen Jobs bis 2015 abzubauen.

"Nun ist der längst notwendige Anfang gemacht worden", sagt der Bankenexperte vom Wirtschaftsforschungsinstitut Franz Hahn im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Österreich sei massiv "overbanked". Soll heißen: Zu viele Filialen, zu viele Mitarbeiter, zu wenig Ertrag im Vergleich zu den Kosten. Zwar seien seit den 1990er Jahren 400 der damals noch 1300 Banken vom Markt verschwunden. Die Zahl der Filialen habe sich aber nicht reduziert - und das in Zeiten des online-Bankings.

Ein Drittel aller Jobs


Damit Österreich nicht mehr "overbanked" ist, stehen für Hahn weitere "20.000 bis 25.000 Jobs zur Disposition", also ein Drittel der 70.000. Diese grobe Rechnung ergebe sich aus einem Vergleich mit Ländern mit guter Kosten-Ertrags-Rechnung. "Ich glaube nicht, dass das ohne Kündigungen gehen wird", sagt Hahn. Der Chef der Bank Austria, Willibald Cernko, will den aktuellen Jobabbau statt über Kündigungen mit Teilzeitlösungen und natürlichen Abgängen bewältigen.

Die Gewerkschaft will betriebsbedingte Kündigungen unbedingt verhindern und verweist auf den Gewinn der Bank Austria. Der betrug in den ersten neun Monaten mehr als eine Milliarde Euro.

Wie passt das mit den angeblichen Strukturproblemen zusammen? Hahn: "Die Renditen der Banken waren im Inland schon immer eine Katastrophe. Durch die hohen Renditen in Osteuropa wurde das Inlandsgeschäft subventioniert." Diese "Super-Renditen" leiden nun unter der Wachstumsschwäche im Osten und der wachsenden Zahl an faulen Krediten, die auf die Erträge drücken.

"Derzeit ist Osteuropa mehr Krücke als Stütze", sagt Hahn. Die Bank Austria ist dort in 15 Ländern präsent. Raiffeisen prüft bereits den Rückzug aus Ungarn und Ukraine.

Hahn sieht bei den heimischen Banken ein Zeitfenster von fünf bis sechs Jahren, um die Bilanzen zu bereinigen. Im Inland rechnet der Bankenexperte mit einer Reihe von Fusionen - unter anderem im Raiffeisensektor. Unter dem Giebelkreuz hat Raiffeisen Informatik im November die Kündigung von 70 der insgesamt 1000 Beschäftigten avisiert.

Bei der Bawag könnte es zu einer Filetierung kommen, sollte der US-Fonds Cerberus seine Beteiligung wieder abstoßen, meint Hahn. Die Bawag streicht seit 2010 Arbeitsplätze. Am wenigsten Druck sieht Hahn bei den Sparkassen, die "am raschesten rationalisierten".

Voll im Gang ist der Jobabbau bei den Problembanken. Die teilverstaatlichte Volksbanken AG kürzte den Personalstand in Österreich im vergangenen Jahr um 150 Personen. Bei der Hypo Alpe Adria geht es nach dem Verkauf des Österreich-Geschäfts nur noch um die Art ihres Todes.

Umstrittene Bankenabgabe


Bank-Austria-Chef Cernko selbst begründete den Stellenabbau nicht nur mit dem Strukturwandel. Er schoss sich auf die Bankenabgabe in Höhe von 97 Millionen Euro ein. Das sei mehr als die angekündigte Personaleinsparung. Die Bankenabgabe soll die Kreditinstitute an den Kosten der Krise beteleigen, die im internationalen Finanzsektor ihren Ursprung nahm.

Wolfgang Katzian, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp, empört sich über Cernkos Darstellung: "Diese Argumentation finde ich widerlich. Die Mitarbeiter haben das nicht verdient. Die Banken haben weltweit Mist gebaut, und jetzt sollen die Beschäftigten büßen."

Die Argumentation mit der Bankenabgabe kann Hahn ebenfalls nicht nachvollziehen. "Das Argument lasse ich nicht gelten. Die Bank selbst trifft die Steuer am wenigsten. Die Kosten der Steuer werden indirekt an neue Kreditnehmer weitergereicht." Die Bankensteuer zahlt demnach erst wieder der Steuerzahler.

Raiffeisen auf Rädern


In anderen EU-Ländern löste die Finanzkrise schon vor Jahren Kündigungswellen aus. Österreich stemmte sich dank der Gewinne in Osteuropa gegen den Abwärtstrend.

Wie kreativ der Ausweg aus der Kostenfalle sein kann, zeigt die Raiffeisen Leoben-Bruck. Sie schließt fünf Filialen und schickt nach Schweizer Vorbild einen Kredit-Lkw auf die Reise, der die Gemeinden abklappert. Ob die Mitarbeiter nun den C-Schein machen müssen, konnte nicht eruiert werden.