Wien. (apa/kle) Österreichs Möbelhersteller stöhnen unter dem Preisdruck der Top-drei-Händler Lutz, Kika/Leiner und Ikea. Insgesamt stagniert der Umsatz der Händler und Hersteller. Der permanente Preiskampf wirke wie eine Droge für die Kunden, sagte Interio-Chefin Janet Kath Montagabend bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Möbelbranche. Trotzdem sei der Preis ein zentrales Instrument, Frequenz zu schaffen.

Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie und Eigentümer des größten heimischen Wohnmöbelherstellers Team7, kritisierte die "extreme Rabattitis" in der Möbelbranche als "systematischen Beschiss am Kunden". Bei ständigen "Minus-50-Prozent-Aktionen" wisse keiner der Kunden mehr, was der adäquate Preis für ein Qualitätsprodukt sei. Emprechtinger plädierte dafür, statt immer billiger zu werden mehr auf Kundenwünsche einzugehen und verstärkt auf Exporte und Design-Orientierung zu setzen.

Der Chef des Verbandes der deutschen Möbelindustrie, Elmar Duffner, beklagte, dass Möbel ihren Wert als Kulturgut verloren hätten und nur noch als Preisprodukt wahrgenommen würden: "Die Fachhändler verlieren und die Diskonter wachsen. Dem Möbelhandel fällt außer dem Preis nichts ein", kritisierte Duffner. "Der Leidensdruck in der Möbelbranche ist noch nicht groß genug, damit sich etwas ändert."

Trotzdem positiver Ausblick


Die Volkswirte der Bank Austria sehen dennoch positive Aussichten für die Branche. "Auch wenn der erwartete Abschwung im Wohnbau und die abflauenden Sanierungsleistungen die Möbelnachfrage kurzfristig stärker bremsen, wird das die Lust am Einrichten nicht nachhaltig dämpfen", meinen sie. "Darüber hinaus wird der Wohnbau wahrscheinlich rasch wieder in Schwung kommen, angetrieben vom schon bestehenden Nachfrageüberhang und der weiter steigenden Zahl an Wohnungssuchenden."