Wien. Wenn der Winterschlussverkauf beginnt, lässt sich das spezifische Verhalten der heimischen Schnäppchenjäger in freier Wildbahn wieder gut beobachten: Ellbogen raus, rein ins Geschäft. Und für nicht wenige von ihnen wird dann auch wieder das Paradoxon Gewissheit, dass die Ausgaben steigen, je tiefer die Preise sinken. Wobei auch schon kleine Rabatte oftmals gute Argumente für einen Kauf sind.

Theoretisch müsste daher der Energiemarkt hart umkämpft sein. Denn seit elf Jahren ist er in Österreich komplett liberalisiert, mittlerweile gibt es auch mehr als 20 verschiedene Anbieter, die preislichen Unterschiede sind zudem teilweise enorm, und dennoch kommt der Wettbewerb nach wie vor nicht in Schwung.

Seit der Liberalisierung wechseln jedes Jahr nur zwischen 0,6 und 1,7 Prozent der privaten Haushalte ihren Anbieter, im Jahr 2012 ist die Anzahl der wechselwilligen Nutzer sogar von 60.000 auf etwa 40.000 zurückgegangen. "Es gibt eben Ängste", sagt E-Control-Vorstand Martin Graf.

Die Regulierungsbehörde bietet im Internet einen simplen, leicht verständlichen Vergleichsrechner an, der Verein für Konsumenteninformation bemüht sich ebenfalls redlich, den Wettbewerb in Gang zu setzen. Doch obwohl neue Anbieter mit wahren Schnäppchen locken und einzelne Haushalte in Einzelfällen sogar 400 Euro pro Jahr einsparen könnten, scheinen die Verbraucher am Wettbewerb nicht sonderlich interessiert.

"Es gibt ein hohes Vertrauen in den angestammten Lieferanten, und dazu kommen Befürchtungen, dass man eine neue Leitung und einen neuen Zähler brauchen könnte, dass es Stornogebühren gibt und ein Wechsel kompliziert ist", erzählt Graf. Nichts davon stimme. "Es ist wichtig, dass man diese Ängste zerstreut."

Die Wechselunwilligkeit der Österreicher kommt in erster Linie den Platzhirschen zugute, jenen meist Landesgesellschaften, die schon vor der Liberalisierung den Strom an die privaten Haushalte geliefert haben. Im Gegensatz zur ebenfalls liberalisierten Telekommunikationsbranche, wo rasch ein beinharter Preiskampf ausgebrochen ist, obwohl es weit weniger Marktteilnehmer gab, ist am Energiemarkt dieser bisher weitgehend ausgeblieben. Zumindest bei den privaten Haushalten.

Erfolgreiche Aktion

Seit dem Jahr 2008 seien die Großhandelspreise um 40 Prozent gefallen, erklärt Graf, an das Gewerbe und die Industrie sei dies weitergegeben worden, nicht aber an Private. Doch solange die angestammten Unternehmen kaum unter Druck kommen, gibt es wenig Veranlassung für sie, die Preise auch nachhaltig zu senken.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat deshalb im September eine Aktion lanciert, um den Wettbewerb zu befördern. Fast vier Monate lang konnten sich wechselwillige Haushalte anmelden, die Anbieter konnten die potenziellen Neukunden dann im Paket ersteigern. Im Bieterverfahren setzten sich Enamo (eine Tochter der Energie AG) und Goldgas durch, wobei die Haushalte im Durchschnitt 131 Euro für Strom und 138 Euro beim Gas einsparen. Die Kunden sind allerdings nicht verpflichtet, zu wechseln, zumal sich einige Betreiber meldeten, die noch auf günstigere Angebote verwiesen.

Primär ging es dem VKI bei der Aktion aber ohnehin darum, die Wechselwilligkeit zu erhöhen. "Es ist nicht unser Ziel, möglichst viele von Anbieter A nach B zuverschieben, das muss der Wettbewerb schaffen. Wir wollen ein Informationsbewusstsein erreichen", sagt Josef Kubitschek, Geschäftsführer des VKI.

Preise ändern sich ständig

Dass sich für die Aktion 260.000 Haushalte meldeten, sei jedenfalls ein Erfolg, sagt Kubitschek, der VKI hatte nur mit rund 70.000 Anmeldungen gerechnet. Wie viele nun tatsächlich wechseln werden, ist allerdings völlig offen. "Aber wir haben den Wettbewerb befeuert", sagt Kubitschek.

Jetzt müssen nur noch die Österreicher in diesen so richtig einsteigen. Wobei: Einmal gewechselt kann zu wenig sein, da sich die Preise ständig ändern. Schnäppchenjäger sollten also vor einer Vertragsverlängerung immer die Tarife studieren. Wie beim Handyvertrag. Und dem Internettarif. Und dem Kabelfernsehen. Und, und, und.