Mittlerweile gibt es aber auch ausländische Überlasser, die Arbeitskräfte nach Österreich verleihen. Auch das wurde im vergangenen Jahr reglementiert, nun müssen sich auch ausländische Personaldienstleister an die hier geltenden Gesetze und Kollektivverträge halten, doch passiert dies nicht immer. Branchenobmann Pichorner berichtet von 1000 bis 2000 aus dem Ausland überlassene Arbeitskräfte, tatsächlich dürfen es aber fünfmal so viele sein.

Hohe Überstundenquote ist schlecht für die Branche


Facharbeiter werden da schon mit 20 Euro pro Stunde angeboten, während es in Österreich eigentlich doppelt so viel sein müsste. "Das ist verrückt", sagt Pichorner. Kontrollen gibt es zwar, aber offenbar sind diese nicht ausreichend. "Die Chance beim Roulette zu gewinnen ist größer, als hier erwischt zu werden", sagt Erich Glaser von der Wiener Wirtschaftskammer.

Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Regierung darauf verständigt hat, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen, könnte die Branche laut Pichorner verstärkt Ältere vermitteln oder sogar, wenn die Pension nicht reicht, Rentnern Chancen auf einen Wiedereinstieg ins Berufsleben bieten. "Da werden wir in Zukunft sicher eine Rolle spielen", sagt er.

Für seine Branche wünscht sich Pichorner künftig mehr Eigenständigkeit. "Je kürzer jemand beschäftigt ist, desto eher sollten unsere Regeln gelten, bei längeren Einsätzen die Regeln des Beschäftigers." Dass es keine einfache Gehaltstabelle für Leiharbeiter gibt, diese kaum wissen, wie viel sie verdienen werden, will der Branchenvorsitzende auch gerne geändert haben. Womit er sich auch auf einer Linie mit der Gewerkschaft wähnt. Generell dürften Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Branche und Arbeitnehmervertretern besser geworden sein. Zumal es auch ein gemeinsames Interesse gibt. Die Rufe nach einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit sind der Gewerkschaft ein prinzipielles Ärgernis, doch auch die Leiharbeitsfirmen profitieren von Regulierungen in diesem Bereich. "Sie helfen uns, auch wenn es dazu keine Studien gibt", sagt Branchenvorsitzender Pichorner.

Beispielsweise ein Handelsunternehmen, das in der Weihnachtszeit oder nun, in den ersten Jännerwochen, wenn der Run auf Ausverkaufsware beginnt, einen erhöhten Bedarf an Verkaufspersonal hat, müsste auf weniger Zeitarbeiter zurückgreifen, wenn Verkäuferinnen und Verkäufer kurzfristig deutlich länger arbeiten dürften. "Das Überstundenniveau in Österreich muss reduziert werden, das schafft auch Arbeitsplätze", sagt Pichorner. Mit dieser Ansicht ist er nicht weit von den Forderungen der Gewerkschaft entfernt.