Wien. Auf die Plätze, fertig. . . "Webseite offline!". So stand es also in grünen Lettern auf jener Seite der Ömag, der Abwicklungsstelle für Ökostrom, am Nachmittag des 2. Jänner. Auf jener Seite werden in einem fast schon zur Tradition gewordenen virtuellen Klickwettkampf zu Jahresbeginn die Förderungen für Photovoltaikanlagen vergeben, also genauer: für einen fixen, auf 13 Jahre garantierten Einspeisetarif.

Im Vorjahr wurde die Webseite zu Neujahr freigeschaltet, erlahmte dann sofort wegen des großen Andrangs. Diesmal sollte sie am 2. Jänner online gehen, doch aufgrund "hackerähnlicher Vorgänge", wie es vom Atos-Rechenzentrum (Ex-Siemens) hieß, wurde der Start verschoben. Zuerst um ein paar Stunden, dann auf den 16. Jänner, um Maßnahmen gegen die Großangriffe zu treffen.

Einspeisetarife gesunken

Laut Ömag-Vorstand Magnus Brunner waren weniger übelmeinende Hacker am Werk, die das System sabotieren wollten, sondern eigens geschriebene Programme, die die Chance auf einen erfolgreichen Antrag erhöhen sollen, gewissermaßen Cyberdoping in einem Rennen, in dem es nicht für alle Teilnehmer Förderungen gibt. Die Gesamtsumme beträgt acht Millionen Euro.

"Wir müssen die diskriminierungsfreie Antragstellung sicherstellen", sagt Brunner. Da jedoch der Häuslbauer vor dem Heimcomputer chancenlos gegen derartige Robots sind, die binnen Sekunden zigtausende Anträge stellen können, war ein akzeptabler Vorgang nicht mehr zu gewährleisten. Deshalb die Verschiebung um zwei Wochen, die dem IT-Anbieter Atos Zeit einräumen soll, die irregulären Aktivitäten auf der Seite zu analysieren.

Dabei ist die Attraktivität der Förderungen deutlich gesunken. Statt wie im Vorjahr 18 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde gibt es 2014 und 2015 nur noch 12,5 Cent. "Damit sind wir schon ziemlich an der Kippe, ob man den Strom einspeisen oder selbst verbrauchen soll", sagt Brunner. Bisher war der fixe Einspeisetarif hoch genug, dass es sinnvoll war, den gesamten aus Sonnenenergie gewonnenen Strom ins Netz einzuspeisen und die selbst benötigte Energie vom jeweiligen Versorger ganz normal anzukaufen.

Noch ist die Marktfähigkeit für Strom aus Photovoltaikanlagen nicht wirklich erreicht, weshalb eben weiter gefördert wird. "Es braucht einen Anschub, das hat die Wasserkraft genauso gebraucht und auch die Atomkraft, und die braucht es immer noch", sagt Hans Kronberger vom Bundesverband Photovoltaik Austria. "Diese Primärenergie ist kostenlos, und das macht die große Faszination aus." Die Leistung der Module hat sich zuletzt auch verbessert, bei der Speicherung von Strom ist noch ein weit größerer technologischer Fortschritt drin.

Für die nächsten Jahre wünschen sich Kronberger und Brunner jedenfalls ein neues System bei den Förderanträgen. Der Klickwettbewerb ist für alle Beteiligten keine gute Lösung.