Wien. Die Arbeiterkammer (AK) macht, rechtzeitig zu den Montag beginnenden AK-Wahlen in Westösterreich, gegen die zum Teil horrenden Zinsen bei Pfandleihern mobil. In der Kritik steht auch das privatisierte Dorotheum. Die Konsumentenschützer fordern eine Begrenzung sowie mehr Transparenz.

Auf der Homepage des Dorotheums, das vor 13 Jahren unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) an den Bauunternehmer Erwin Soravia und Kronenzeitungschef Christoph Dichand verkauft wurde, finden sich laut ORF-"Mittagsjournal" keine Information über die effektiven Kosten einer Autobelehnung für die Kunden.

Der Finanzwissenschafter Werner Doralt findet das doppelt problematisch. "Wenigen Leuten ist bewusst, dass das Dorotheum in der Zwischenzeit privatisiert ist. Es genießt sicher noch den Ruf aus der Zeit der Verstaatlichung, die Leute haben ein erhöhtes Vertrauen", sagte er im Radio.

Zudem treffe Pfandleihe finanziell angeschlagene Menschen. Ausgerechnet diese Bevölkerungsschicht werde dort über den Tisch gezogen. Doralt nahm sich eines Pensionistenehepaars an, das ihren Schmuck im Dorotheum versetzt hatte und nach drei Jahren böse erwachte. "Die Zinsen für Schmuckdarlehen sind mit Zinseszinsen gerechnet im Dorotheum 35 Prozent pro anno." Das mache in dem Fall, der nur aufgrund seiner Intervention kulant gelöst worden sei, mehr als 100 Prozent Zinsen.

Laut dem Salzburger (wahlkämpfenden) AK-Präsidenten Siegfried Pichler verlangen manche Pfandleihehäuser Zinsen von 90 Prozent und darüber, wie eine Erhebung ergeben habe. "Das ist ein Skandal", so Pichler. Die AK urgiert mehr Transparenz. Pfandleiher sollen den Jahreszinssatz angeben müssen, auch soll es ein Rücktrittsrecht binnen 14 Tagen wie bei Verbraucherkrediten geben. "Noch in diesem Jahr" wünscht sich Pichler zudem marktübliche Zinsen auch bei Pfandleihern, meinte er in Richtung Regierung.