Wien. Die Voestalpine bleibt beim Ziel, den Umsatz bis 2020 auf 20 Milliarden Euro annähernd zu verdoppeln. So weit die gute Nachricht. Das Wachstum des Linzer Konzerns wird sich aber nicht mehr in Europa abspielen, sondern in Asien und Nordamerika. "In Asien wollen wir den Umsatz auf zwei Milliarden Euro erhöhen, in Nordamerika auf drei Milliarden. Das ist jeweils eine Verdreifachung des jetzigen Volumens", sagte Voest-Chef Wolfgang Eder bei einem Hintergrundgespräch. In Asien, vor allem China, will die Voest 15 neue Werke bauen. In Nordamerika sind "wenigstens zehn neue Werke, vor allem im automotiven Bereich, geplant."

Damit soll - so Eder - das Ziel, Technologie- und Ergebnisführerschaft am Markt zu erhalten, geschafft werden. "Wir verhandeln derzeit ein großes Joint-Venture in China, dabei geht es um Weichenproduktion." Vor allem für den Schienen-Güterverkehr, also bei besonders schweren Zügen, benötigt China dringend eine Modernisierung.

Voest verdient gut - im Gegensatz zur Branche


"Wir sind längst kein Stahlkonzern mehr, wir sind ein Technologie- und Industriegüterkonzern", sagte Eder. So verarbeitet die Voest mittlerweile in rauen Mengen auch Aluminium und Titan. "Und wir arbeiten an Hybrid-Werkstoffen, das ist die Kombination mehrerer Werkstoffe. Das dauert aber noch etwa fünf Jahre."

In Europa ist die Voestalpine mittlerweile Nummer drei am Markt, nach Arcelor-Mittal und Thyssen. Im Gegensatz zu diesen schreibt die Voest aber solide schwarze Zahlen, das Betriebsergebnis liegt bei etwa 1,5 Milliarden Euro. Als möglicher Käufer von weniger erfolgreichen Konkurrenten sieht sich Eder nicht. "Es gibt mittlerweile Schätzungen der OECD, wonach die Stahl-Überproduktion in Europa bis zu 70 Millionen Tonnen ausmachen könnte. Wir werden da kein Geld investieren."

"Mexiko dagegen sehe ich als sehr attraktiven Standort." Eder glaubt, dass die politischen Turbulenzen dort geklärt werden, weil die USA ein enormes Interesse haben, das Land stabil zu halten.

In diesem Zusammenhang ist auch die 550-Millionen-Euro-Investition im Süden der USA, in Texas, zu sehen. Die Anlage soll wie geplant im Dezember 2015 in Betrieb gehen und wird hochwertiges Eisen herstellen.

Im Herbst des Vorjahres hatte Eder diesen Investitionsschritt als "wirtschaftspolitischen Aufschrei" bezeichnet, nun will er sich zur Politik in Österreich nicht mehr äußern.