Wien. (kle) "Libyen können wir kommentieren, aber nicht managen", sagt Gerhard Roiss, Chef des Öl- und Gaskonzerns OMV. Nach wie vor sind dort Produktionsausfälle an der Tagesordnung - wegen der instabilen politischen Lage. Zuletzt waren die Förderkapazitäten nur zu 50 bis 75 Prozent ausgelastet.

Wann die OMV in dem nordafrikanischen Land wieder voll produzieren kann, ist für Roiss nicht absehbar. Mit Hinweis auf das benachbarte Tunesien, das seit kurzem eine Verfassung hat, hofft er aber, dass auch in Libyen der Prozess in Richtung Demokratie weitergeht.

Was die Gesamtproduktion der vielerorts tätigen OMV in diesem Jahr betrifft, geht Roiss im Schnitt von täglich 320.000 bis 340.000 Fass Öläquivalent aus. Diese Prognose liege rund ein Zehntel über dem langjährigen Mittelwert.

Der 2013 vollzogene Strategiewechsel - nämlich mehr Öl- und Gasförderung ("Upstream"), dafür weniger Raffinerie- und Tankstellengeschäft ("Downstream") - soll der OMV damit erste Früchte bescheren. Mittelfristig ist geplant, pro Tag 400.000 Fass Öläquivalent zu produzieren.

Um das Ziel zu erreichen, hat die OMV im Vorjahr für 2,65 Milliarden Dollar - letztlich auch als Ausgleich zu Libyen - mehrere Öl- und Gasfelder in der Nordsee zugekauft, die entweder bereits produzieren oder schon bald in Betrieb gehen. Im Gegenzug hat der Konzern sein Tankstellengeschäft in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, aber auch seine Beteiligung am Raffinerie-Verbund Bayernoil verkauft, weil ihm dort die Margen zu gering waren.

Unterdessen - über kurz oder lang - könnte die OMV im Iran, wo sie noch aus Zeiten vor den Sanktionen ein Büro hat, wieder Fuß im Upstream-Geschäft fassen. Roiss berichtete am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten, dass er mit dem iranischen Ölminister ein Gespräch gehabt habe. "Das war noch kein Zielgespräch, aber es ist wichtig, dass der Dialog aufgenommen wurde."

"Ein Thema der Gazprom"

Zur Route der geplanten Gaspipeline South Stream - die sollte ursprünglich über den österreichischen Verteilerhub in Baumgarten führen - will Roiss keine Prognose abgeben. "Das ist ein Thema der Gazprom, die Russen werden das entscheiden." Roiss ist jedoch davon überzeugt, dass das Gas den Weg in die Märkte finden werde. Das von der OMV früher betriebene Pipeline-Projekt Nabucco ist jedenfalls Geschichte.

Wie berichtet, hat die OMV im vergangenen November bei ihrem russischen Lieferanten Gazprom eine Senkung des Gasbezugspreises durchsetzen können (rückwirkend ab April 2013). Da es sich dabei um eine Interimslösung für ein Jahr handelt, stehen nun weitere Verhandlungen an. Trotz der Senkung sei man mit Gazprom noch nicht bei Marktpreisen angekommen, so Roiss. Hingegen habe sich die OMV mit ihrem zweiten großen Gaslieferanten, der norwegischen Statoil, bereits auf einen marktkonformen Preis geeinigt.

Für die OMV-Gashandelstochter Econgas, die in den vergangenen Jahren zum Teil hohe Verluste erlitt, weil sie für den Gasbezug mehr zahlen musste als sie beim Weiterverkauf erlösen konnte, sei die Lage zwar weiter schwierig. Von einer "Schieflage" will Roiss aber nicht mehr sprechen.