Wien. Mit der Anerkennungskultur in österreichischen und deutschen Unternehmen ist es schlecht bestellt: Alle 75 Tage wird Mitarbeitern im Durchschnitt Anerkennung ausgesprochen, hat eine Umfrage der Online-Plattform "Kraftwerk Anerkennung" bei 200 Personen ergeben. "Wenn jemand zu Jahresbeginn eine Anerkennung erhält, kann er erst wieder Mitte März auf ein Lob hoffen. Dazwischen liegt eine Motivations-Durststrecke von zweieinhalb Monaten", interpretiert Patrick Killmeyer, Gründer und Ideengeber von Kraftwerk Anerkennung, die ernüchternden Umfrageergebnisse.

Je länger man bereits im Unternehmen ist, umso länger sollte auch der Atem sein: Mitarbeiter, die seit mehr als zehn Jahren im selben Unternehmen beschäftigt sind, müssen über 100 Tage auf Anerkennung warten. Mitte April, zu Ostern also, ist es dann für sie wieder soweit.

Ab und zu ein "Danke" ist nicht genug

"Ab und zu ein ‚Danke"‘ ist laut den Worten eines Teilnehmers das Maximum dessen, was man erfährt. Dabei hat er es noch gut getroffen. Befragt nach der Art der Wertschätzung, die sie erhalten, nannten 23 Prozent "keine Wertschätzung", dicht gefolgt von "Lob" (22 Prozent) und "Danke" (13 Prozent). Anerkennung - der Ausdruck der Wertschätzung einer Stärke - lag mit neun Prozent weit abgeschlagen. "Lob oder ein ‚Danke‘ ist sicher besser als gar nichts. Aber erst Anerkennung erhöht die Identifikation mit dem Unternehmen und die Einsatzbereitschaft", weiß Killmeyer.

Ein weiteres Detail aus der Umfrage: Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung klaffen weit auseinander. Mehr als 81 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, häufig Lob oder Anerkennung auszusprechen. Dem gegenüber meinten 67 Prozent der Mitarbeiter, nur selten Anerkennung zu erhalten. Wenig überraschend: Neun von zehn Befragten wünschen sich Maßnahmen für mehr Anerkennung im Unternehmen und würden diese auch aktiv unterstützen.