Wien. Wer einen nachhaltigen Lebensstil pflegen will, hat es selbst in der Hand, stehen doch unzählige Bezugsquellen für vertretbare Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung. Jeder kann Eier von glücklichen Hühnern kaufen, sich in fair produzierte Baumwolle hüllen, tierversuchsfreie Seife verwenden, auf sauberen Strom aus erneuerbaren Energien umsteigen und zahlreiche weitere Schritte setzen, um sein Gewissen zu beruhigen.

Gut, dass es mittlerweile auch nachhaltige Finanzprodukte gibt. Noch sind diese Veranlagungen, die Namen wie "Öko Garantie", "Ethik-Invest" oder "Sustainable Equity" tragen, Nischenprodukte, doch das Interesse daran nimmt zu. Meist handelt es sich dabei um Investmentfonds, deren Anbieter angeben, sich an soziale, ethische und/oder ökologische Kriterien zu halten. Der Haken daran: Es existieren keine verbindlichen und einheitlichen Regeln, nach denen Nachhaltigkeitskriterien festgelegt werden, sodass sich jeder nach eigenem Gutdünken Kriterien zurechtzimmern kann.

"Es gibt viel Gestaltungsspielraum", so das Fazit einer Untersuchung der Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Wien, die zehn als nachhaltig bezeichnete österreichische Fonds genauer unter die Lupe genommen hat. Auch nach genauer Prüfung von Factsheets, Emissionsprospekten, Kundeninformationsdokumenten und Rechenschaftsberichten blieben viele Fragen offen. "Die Informationen gehen nicht sehr in die Tiefe", kritisiert Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik der AK Wien. Was denn nun einen Investmentfonds nachhaltig macht, sei nicht eindeutig nachvollziehbar.

Dabei existieren sehr wohl Kriterienkataloge zur Bewertung von Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit, etwa der Frankfurt Hohenheimer Leitfaden, der von Ökonomen, Philosophen, Ethikern und Theologen entwickelt wurde.

Seit 2008 gibt es für nachhaltige Publikumsfonds das Eurosif-Transparenzlogo, das vom Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. vergeben wird. Mit Stichtag 31.12.2013 verzeichnete die Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) 40 Publikumsfonds, die nach Eurosif zertifiziert sind.

Zudem sind derzeit 53 Fonds auf dem Markt, die den Kriterien des österreichischen Umweltzeichens in puncto Nachhaltigkeit entsprechen. Als nicht nachhaltig eingestuft gelten Atomkraft, Rüstung, Gentechnik und systematische Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen.