Wien. Ein Jobsuchender surft beim U-Bahn-Fahren via Smartphone im Internet, sieht eine interessante Stelle und schickt seinen Lebenslauf gleich übers Handy an den potenziellen Arbeitgeber - so könnte künftig eine Bewerbung ablaufen. Mit dem Siegeszug von Smartphones und Tablets werden offene Stellen künftig immer häufiger über mobile Endgeräte online gesucht. "Mobile Recruiting wird die Zukunft sein. Dafür müssen Unternehmen ihre Inhalte für die kleineren Bildschirme optimieren", sagt Barbara Riedl-Wiesinger, Chefin des Internet-Karriereportals Monster in Österreich. Da sei es verwunderlich, dass laut einer Umfrage mehr als 40 Prozent der Unternehmen keine optimierte Version für mobile Endgeräte planen. Ein Drittel der im Auftrag von Monster befragten Personalchefs der 500 größten Unternehmen Österreichs gibt an, dass Online-Stellenanzeigen oder Karrierewebseiten für Smartphones und Tablets optimiert wurden, was einen zusätzlichen Programmieraufwand bedeutet.

72 Prozent der befragten Unternehmen glauben, dass sich Kandidaten künftig über mobile Endgeräte bewerben werden. Einige Unternehmen wie die Deutsche Telekom haben sich bereits darauf eingestellt und bieten eine eigene App (Applikation) mit Stellenangeboten an. Kandidaten können sich über das Smartphone - mit einem Link zu ihrem Online-Profil, etwa beim Karrierenetzwerk Xing - bewerben. Anhand dieses Lebenslaufes prüfen Personalverantwortliche, ob der Bewerber für die Stelle geeignet ist.

Bewerbungsmappe
auf Papier hat ausgedient

Statt stundenlang an einem Anschreiben zu feilen, einen Link zu ihrem Online-Profil oder den in der Cloud abgelegten Lebenslauf schicken? Das bedeutet auch für die Bewerber eine Umstellung. Derzeit kommt der Großteil der Bewerbungen via E-Mail oder Online-Formular. Zwölf Prozent gehen auf Papier ein - laut der Umfrage ist die Bewerbungsmappe die unbeliebteste Variante in den Personalabteilungen.

Unternehmen informieren über Jobangebote überwiegend auf der eigenen Webseite und auf Online-Karriereportalen. Bei zwölf Prozent der offenen Stellen versuchen Unternehmen, Kandidaten direkt anzusprechen. Soziale Medien wie Facebook und Xing nutzen Unternehmen in Österreich vor allem für den Aufbau einer Arbeitgebermarke (Employer Branding), für die Personalsuche jedoch kaum. "In Social Media präsent zu sein, ist zeitintensiv. Diese Ressourcen sind in vielen Unternehmen nicht vorhanden", sagt Riedl-Wiesinger.

Ältere werden kaum für offene Stellen in Betracht gezogen

Offene Stellen gibt es heuer voraussichtlich in 94 Prozent der befragten Unternehmen. Die Personalchefs erwarten, dass knapp die Hälfte der Stellen mit Bewerbern der "Generation Y" (geboren zwischen 1980 und 1995) besetzt wird. Nur für 5,4 Prozent der offenen Stellen sollen mit Personen über 50 Jahren eingestellt werden. Bei 30 Prozent der vakanten Stellen gibt es Probleme, diese zu besetzen, für drei Prozent findet sich voraussichtlich gar kein passender Bewerber. Um gegenzusteuern, sind laut den Personalchefs eigene Ausbildungs- und Umschulungsmaßnahmen geeignet. Auch die Rekrutierung von Frauen und die Personalsuche im Ausland werden als Maßnahmen genannt, um Stellen mittelfristig besser besetzen zu können - ebenso wie flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten. Ein höheres Gehalt anzubieten, ist nur für jeden vierten Personalchef eine Option.