Dazu zählen laut WKO unter anderem eine enorme Erhöhung der Kosten durch bürokratischen Aufwand, die Abwanderung von Unternehmen, der Verlust von Wohlstand und ein Austritt aus der Europäischen Union. Vor allem würde die Gemeinwohl-Ökonomie aber "zu erheblichen Einschränkungen der wirtschaftlichen Freiheit von Individuen bzw. Unternehmen führen, bis hin zu Enteignungen", glaubt Steigenberger.

Gegenoffensive

Stimmt nicht, kontert die GWÖ: "Privateigentum bleibt auch in der Gemeinwohl-Ökonomie die häufigste Eigentumsform, sie sympathisiert jedoch mit öffentlichen Gütern und Dienstleistungen in stärkerem Maß als heute." Die Gemeinwohl-Ökonomie suche eine Vielfalt von Eigentumsformen: privates, öffentliches, kollektives Eigentum sowie Nutzungsrechte. "Dabei sollen Extreme wie die Totalverstaatlichung allen Eigentums (Kommunismus) ebenso vermieden werden, wie die Absolut-Stellung von Privateigentum ohne Grenzen und Bedingungen (Kapitalismus)."

"Ich finde es sehr schade, dass die Vertreter der Wirtschaft gegenüber der Gemeinwohl-Ökonomie so negativ und unserer Meinung nach sehr unwissend agieren", bedauert der steirische Fleisch- und Wurstwaren-Erzeuger Karl Schirnhofer. Als einer der Ersten hat er im Jahr 2012 für sein Unternehmen (1150 Mitarbeiter, 108 Millionen Euro Umsatz) eine Gemeinwohl-Bilanz nach den GWÖ-Kriterien erstellen lassen. Und er ist nicht der Einzige, den die Kampagne ärgert. "Wir haben zahlreiche anerkennende Rückmeldungen sowohl zur Qualität unserer Replik erhalten als auch die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, weil die WKO sonst nicht so hilflos reagiert hätte", freut sich Anja Haider-Wallner. "Uns ist aber wichtig zu betonen, dass wir mit dieser Replik die Möglichkeit geschaffen haben, fair über eine zukunftsfähige Wirtschaftsordnung zu diskutieren." Sie gibt sich optimistisch, dass ein Dialog mit WKO & Co. (doch noch) möglich ist.

Im Mai startet die GWÖ eine österreichweite Veranstaltungsreihe, in der sie den demokratischen Dialog mit der gesamten Gesellschaft suchen wird. Eine, die dem Streit schon jetzt Positives abgewinnen kann, ist Lisa Muhr, Co-Gründerin des ökofairen Modelabels "Göttin des Glücks". Gemeinwohl-Botschafterin Muhr: "Dass Kammer und Bund der Gemeinwohl-Ökonomie so viel Aufmerksamkeit widmen, ist schlussendlich ein Gewinn für die Demokratie, indem eine breite öffentliche Diskussion über die Wirtschaftsordnung von morgen gefördert wird."