Klosterneuburg/Wien. Bei der angeschlagenen Heimwerkerkette Baumax hat sich Gründer Karlheinz Essl aus allen Gremien zurückgezogen. Bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag hat er den Aufsichtsratsvorsitz an seinen Sohn Martin Essl übergeben, wie Baumax am Freitag mitteilte. Martin Essl wechselte erst vor kurzem in den Aufsichtsrat, nachdem er 30 Jahre im Unternehmen operativ tätig gewesen war. Seit März ist Michael Hürter neuer Vorstandschef, der zuvor Einzelhändler wie Plus oder Lidl England sanierte.

Der Rückzug von Karlheinz Essel steht laut der Baumax-Sprecherin Monika Voglgruber nicht in Zusammenhang mit den Ereignissen der vergangenen Wochen - Essl hatte der Republik vergeblich seine Kunstsammlung angeboten, um Geld in die Kasse des hoch verschuldeten Unternehmens zu spülen. "Karlheinz Essl wollte seit längerem im Alter von 75 Jahren seine Funktionen bei Baumax zurücklegen", sagt Voglgruber. Seine Tätigkeit im Kunstbereich wird er weiter ausüben.

Nächste Woche entscheidet sich die Zukunft von Baumax: Der Sanierungsplan wurde überarbeitet, kommende Woche ist ein Termin mit den Gläubigerbanken angesetzt, die dem adaptierten Sanierungskonzept zustimmen müssen. Auch ein Schuldenschnitt wird mit den Banken diskutiert - der Schuldenstand von Baumax liegt bei rund einer Milliarde Euro. Die größten Gläubigerbanken sind Bank Austria, Raiffeisen und die Erste Group. Baumax wird Märkte in Zentral- und Südosteuropa schließen und könnte sich aus verlustreichen Ländern wie der Türkei zurückziehen.

Obi streicht 73 von 118 Jobsin Wiener Zentrale


Konkurrent Obi verkleinert hingegen seine Österreich-Zentrale und hat 73 der 118 in der Zentrale in Wien beschäftigten Mitarbeiter beim AMS Wien zur Kündigung angemeldet, wie aus einem Schreiben hervorgeht. Bei der Gewerkschaft habe man vernommen, "dass große Teile nach Deutschland verlagert werden", heißt es aus der GPA-djp. Die Zentrale des Bau- und Heimwerkerhändlers, der zur deutschen Tengelmann-Gruppe gehört, befindet sich im dritten Wiener Gemeindebezirk. Als Ursache für die Kündigungen werden organisatorische Gründe angeführt. Sozialmaßnahmen soll es keine geben. Die Mehrheit der Betroffenen ist 25 bis 50 Jahre alt. Die Arbeitsverhältnisse sollen zwischen 19. Mai und 17. Juni aufgelöst werden. Bereits Ende 2012 wurde Personal abgebaut - damals waren noch 206 Mitarbeiter in der Österreich-Zentrale tätig. Zum neuerlichen Personalabbau kam von Obi auf Anfrage bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

Die 32 Märkte in Österreich werden zum Teil von Franchisenehmern wie Sochor, Teubl oder Koch geführt - die rund 2000 Beschäftigten sollen nicht vom Personalabbau betroffen sein. 2012 machte Obi in Österreich laut FirmenCompass bei einem Umsatz von 105 Millionen Euro 7,6 Millionen Euro Verlust. Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor.