Wien. (kle) Von Russland war der österreichische Baukonzern Strabag lange Zeit ziemlich angetan. Doch mit den Plänen, in diesem riesigen Markt prominent Fuß zu fassen, ist es vorerst vorbei. Der Anspruch, Branchenprimus in Europa zu werden, indem die Strabag zur Nummer eins in Russland wird, "ist zurzeit weniger denn je zu realisieren", räumt Vorstandschef Thomas Birtel ein. Damit erteilt er der beim Börsengang im Herbst 2007 beschworenen Russland-Fantasie endgültig eine Absage. Ursprünglich hätte das Land bis 2014 zum dritten Kernmarkt werden sollen - neben Deutschland und Österreich.

Mit Blick auf die Ukraine-Krise schraubt der Bauriese seine Russland-Erwartungen inzwischen weiter zurück. Bei den 300 Millionen Euro, die er noch zu Jahresbeginn als Umsatz für heuer in Aussicht gestellt hat, dürfte es nicht bleiben. "Wir verfolgen die aktuelle politische Entwicklung in Russland mit großer Beunruhigung", so Birtel in der Bilanzpressekonferenz. Gleichzeitig beschwichtigt der Strabag-Chef aber: "In Russland machen wir nur private Projekte." Deshalb hofft er, dass die negativen Einflüsse auf das Konzerngeschäft gering bleiben.

Detail am Rande: Beim Großprojekt des Olympischen Dorfs für die Winterspiele im heurigen Februar hat die Strabag mitgemischt - allerdings nicht in dem Ausmaß wie erwartet. Mit knapp 500 Millionen Euro lag der Auftragswert letztlich um rund die Hälfte unter dem Volumen, mit dem sie ursprünglich gerechnet hatte.

Gewinnplus 2013 bei leicht geschrumpfter Bauleistung


Aufgrund der flauen Konjunktur in weiten Teilen Europas war die Bauleistung der Strabag 2013 im Gesamtkonzern mit 12,5 Milliarden Euro um vier Prozent rückläufig. Der operative Gewinn, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, stieg jedoch - von 207,2 auf 261,6 Millionen Euro. Ebenso der Nettogewinn, der von 60,6 auf 113,6 Millionen Euro zulegte. Die Dividende soll deshalb von 20 auf 45 Cent je Aktie erhöht werden.

Für heuer rechnet Birtel mit einer Bauleistung und einem operativen Gewinn auf Vorjahresniveau. "Wir gehen davon aus, dass der Preisdruck in Europa anhalten wird." Die Strabag will sich daher "außerhalb Europas weiter diversifizieren". Birtel verweist dazu auf Auslandsmärkte wie Kolumbien, Chile und den Oman.

Am österreichischen Markt hat die Milliardenpleite der Alpine im Vorjahr aus seiner Sicht unterdessen keine Entspannung gebracht. Vor allem in Oberösterreich und Kärnten sei der Wettbewerbsdruck "unvermindert stark", weiß Birtel zu berichten.

An der börsenotierten Strabag halten Uniqa/Raiffeisen 29,3 Prozent der Anteile, die Familie des früheren Strabag-Chefs Hans Peter Haselsteiner 28,3 Prozent sowie der russische Oligarch Oleg Deripaska 19,4 Prozent. Auf den Streubesitz entfallen 13 Prozent. Daneben hält die Strabag mit 10 Prozent eigene Anteile.