Wien/Paris. (pech/apa/dpa-AFX/
reuters) Die OECD ist bei den Wachstumsaussichten ihrer 34 Mitgliedstaaten insgesamt etwas zuversichtlicher. Für Österreich hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aber die Prognose leicht gesenkt. Hierzulande gibt es demnach heuer ein Wachstum von 1,5 Prozent und 2015 dann 2,1 Prozent.

Ökonom Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sieht die OECD mit dieser Prognose zwar an der Untergrenze, aber im Bereich des Möglichen. Die OECD habe nur ihre frühere Einschätzung (1,7 Prozent für heuer und 2,2 Prozent für 2015) revidiert. Auch die EU-Kommission hatte für Österreich heuer ein Wachstum von 1,5 Prozent gesehen, während die österreichischen Institute Wifo und IHS (Institut für höhere Studien) 1,7 Prozent vorhergesagt haben. Auch der IWF sah für die Alpenrepublik zuletzt sowohl für heuer als auch für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

Konsum sehr verhalten


Der Konsum entwickle sich trotz wachsender Bevölkerung sehr verhalten - da könnte auch der Steuerkeil eine Rolle spielen, verwies der Ökonom auf die derzeitige Debatte um die "kalte Progression". Auch die Unternehmensumfragen hätten zuletzt wieder ein pessimistischeres Bild ergeben als noch im März. "Die Konjunkturerwartungen der Unternehmen entwickeln sich sehr zäh", sagt Scheiblecker. Das könnte unter anderem auch auf die gestiegene internationale Unsicherheit durch die Ukraine-Krise zurückzuführen sein. Andererseits seien aber auch noch Auswirkungen der Finanzkrise spürbar. Und, so Scheiblecker, auch die Sparanstrengungen der Bundesregierung hätten dämpfende Konjunktureffekte.

Kreditklemme in Osteuropa


Von einer Kreditklemme sieht der Wifo-Experte in Österreich keine Spur. Zwar sei das Kreditvolumen tatsächlich schwach, aber nicht, weil die Banken zu restriktiv seien, sondern weil wenig Bedarf an Kreditmitteln da sei. Anders sei das aber in den osteuropäischen Staaten. Dort könne man tatsächlich von einer Kreditklemme sprechen, was sich wiederum auf den dortigen Konsum und in weiterer Folge auch auf Österreichs Wachstum auswirke.

Auch die Arbeitslosigkeit bleibt laut neuester OECD-Prognose höher, als von der Organisation noch vor sechs Monaten erwartet. Nunmehr sieht die OECD für heuer eine Arbeitslosenrate von 5 Prozent (nach 4,7 Prozent) und für 2015 von 4,6 Prozent (nach 4,3 Prozent).

Deutschland als Motor


Bessere Aussichten hat die Wirtschaftsorganisation OECD für Deutschland. Die deutsche Wirtschaftsleistung soll heuer um 1,9 Prozent und jene der Eurozone um 1,2 Prozent wachsen. In den USA soll es ein Plus von 2,6 Prozent geben.

Für 2015 rechnet die OECD in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent und in der Eurozone von 1,7 Prozent - was eine Revidierung in beiden Fällen um 0,1 Prozentpunkt nach oben ist.

In Deutschland rechnet die OECD für heuer mit 5,0 Prozent Arbeitslosen und 2015 mit 4,9 Prozent. In der Eurozone geht die Organisation heuer von 11,7 Prozent ohne Job aus, im kommenden Jahr von 11,4 Prozent.