Wien. (sf) Billa-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner sieht durch den zunehmenden Online-Einkauf einen "massiven Umbruch im Lebensmittelhandel" kommen: "Das Filialnetz im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel wird so nicht erhaltbar sein, die Filialanzahl im stationären Handel wird sinken." Zwar ist der Internet-Umsatz bei Lebensmitteln noch bescheiden, in fünf bis zehn Jahren könnte aber bereits ein zweistelliger Prozentsatz vom Umsatz über den Online-Shop kommen.

Die Supermarktkette drosselt nun das Expansionstempo bei der Eröffnung neuer Filialen und stellt sich darauf ein, dass zehn Prozent des Filialumsatzes wegbrechen und künftig im Onlinehandel bestellt werden. "Wir werden moderater expandieren und schrauben das Investitionsbudget pro Filiale herunter", so Hornsteiner. Bis 2015 werden zum Abschluss der Sanierungswelle umsatzschwächere Filialen erneuert. Heuer investiert Billa insgesamt 145 Millionen Euro in 100 Generalsanierungen und 25 Neubauten von Filialen, einige Supermärkte werden geschlossen. Insgesamt soll die Anzahl der Standorte bei 1047 konstant bleiben.

Lieferung heuer noch in Linz, Salzburg und Graz


Während Supermärkte in den vergangenen Jahren ihre Verkaufsflächen erweitert haben, könnten sie bei zunehmendem Online-Einkauf mit weniger Fläche auskommen. Auch die in den Filialen angebotenen Sortimente werden sich ändern, so Hornsteiner. Er sieht ein Ende der meterlangen Waschmittelregale kommen, weil sich Kunden schwere Produkte künftig ins Haus liefern lassen.

Während der oberösterreichische Konkurrent Pfeiffer erst mit seinem Online-Shop startet, betreibt Billa seinen Shop seit 15 Jahren und macht damit drei bis vier Millionen Euro Umsatz pro Jahr - das entspricht ein bis zwei Filialen. Profitabel ist der Internet-Verkauf noch nicht. Derzeit beliefert Billa Wien und den Speckgürtel, ab Herbst startet die Lieferung in Graz, Linz und Salzburg. Zudem sollen bis Jahresende online bestellte Produkte in jedem Wiener Bezirk in einer Filiale abgeholt werden können. Geplant sind auch versperrbare Boxen, die der Lieferant abstellen kann, wenn Kunden nicht zuhause sind. Die Kommissionierung der Ware - laut Billa-Vorstand Josef Siess ein großer Kostenfaktor bei Internet-Bestellungen - soll in Ballungszentren mittelfristig in vollautomatisierten Lagern erledigt werden. Im Billa-Online-Shop gelten nicht dieselben Aktionspreise wie in der Filiale. In den Supermärkten will Siess "weg von aggressiven Aktionspreisen, hin zu vernünftigen Kurantpreisen": "Bei 1-plus-1-Aktionen verlieren Konsumenten das Vertrauen in den Supermarkt." Bei Waschmittel und Toilettenpapier liege der Aktionsanteil bei 90 Prozent.

Zu den Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA sagt Siess, man wolle weder eine Verschlechterung der Lebensmittelqualität noch gentechnisch manipulierte Lebensmittel. Rewe will "in absehbarer Zeit" einen runden Tisch einberufen, zu dem auch Mitbewerber eingeladen sind.