Wien. Bis zu vier Euro für einen Liter Milch? Was in Österreich für einen Aufschrei sorgen würde, sind Chinesen für Importware zu zahlen bereit. Die Ausgabebereitschaft der Konsumenten und die Größe des Landes machen Exporte nach China attraktiv - einige österreichische Molkereien liefern bereits Haltbarmilch. "Milch gilt bei Chinesen als wertvolles Produkt, sie kommen zunehmend auf den Geschmack", sagt Andrea Preinstorfer von Gmundner Milch. Die Molkerei verschifft ebenso wie Salzburgmilch seit einigen Monaten Haltbarmilch in Containern in die Volksrepublik. Milch und Milchprodukte im Wert von knapp neun Millionen Euro wurden 2013 von Österreich nach China exportiert, um 28 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

"In Asien steigt die Nachfrage nach europäischer Milch", sagt Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter. Auslöser sind Lebensmittelskandale wie jener 2008. Damals starben sechs Säuglinge durch mit der Chemikalie Melamin gestrecktes Milchpulver, fast 300.000 Kleinkinder erkrankten an Nierensteinen. 700.000 Tonnen an Milchpulver wurden im Vorjahr aus Europa nach Asien exportiert, so Petschar. Ein großer Teil davon kommt aus Deutschland, wo Großbetriebe das Pulver in eigenen Werken herstellen. Zudem orientiert sich die wachsende Mittelschicht in China und Russland an westlichen Ernährungsgewohnheiten.

Höhenflug bei
Milchpreisen ist zu Ende


Durch das Aus der Milchquoten-Regelung in der EU mit Ende März 2015 können Bauern so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Petschar rechnet damit, dass die angelieferte Milchmenge in Österreich bis 2020 um 20 Prozent auf 3,6 Millionen Tonnen steigen wird. Da der Konsum von Milchprodukten in Europa stabil ist, muss sich die Milchwirtschaft neue Absatzmärkte suchen. Laut AMA-Marketing-Geschäftsführer Michael Blass sollen die Exporte, besonders an den Hauptabnehmer Deutschland, gesteigert und mehr Käse produziert werden.

Die Ausfuhren von Milchprodukten und Käse aus Österreich haben im Vorjahr einen Rekord erreicht. Die Käse-Exporte nach Russland stiegen im Vorjahr um 174 Prozent auf 10,9 Millionen Euro. Seit 6. Mai hat die russische Verbraucherschutzbehörde allerdings einen Importstopp für Produkte von 15 Molkereien und Fleischverarbeitern wegen Hygienemängel verhängt. Dieser Stopp werde noch bis nach dem Sommer dauern, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.