Wien. (sf) Amazon.at hat seinen Sitz in Luxemburg, der Internethändler Zalando in Berlin, und von Eybl und Sports Experts gelangen Internetnutzer auf den Shop des britischen Eigentümers Sports Direct. Zwar wächst der Onlinehandel rasant: Im Vorjahr kauften die Österreicher bereits um 5,9 Milliarden Euro im Internet ein, ein Jahr zuvor waren es 5,4 Milliarden. Der Wermutstropfen für heimische Händler: Mehr als die Hälfte des Umsatzes entfällt auf ausländische Anbieter. "Ein Kauf im Ausland vernichtet Arbeits- und Ausbildungsplätze", warnt Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch vor den Folgen eines Kaufkraftabflusses. Ein Blick ins Impressum gebe Auskunft, wo der Anbieter seinen Sitz hat.

Obwohl auch die heimischen Händler ihren Umsatz auf 2,9 Milliarden Euro (4,5 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens) und damit innerhalb von drei Jahren um 30 Prozent ausbauten, vergrößert sich in absoluten Zahlen der Abstand zu Internetriesen aus dem Ausland: "Die österreichischen Händler können sich behaupten, aber nicht gegenüber der internationalen Konkurrenz aufholen", sagt Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria. Umgekehrt machen österreichische Händler nur neun Prozent mit Kunden aus dem Ausland.

Steigende Konzentration im Onlinehandel erwartet


Die KMU Forschung rechnet für die nächsten Jahre mit einer Konzentration im Internet-Einzelhandel - ähnlich wie im stationären Einzelhandel. "Ein Konsolidierungsprozess könnte dafür sorgen, dass in einzelnen Warengruppen einige wenige große, zum Teil international agierende ,Player‘ den Online-Markt dominieren werden", heißt es in der Studie "Internet-Einzelhandel 2014" im Auftrag der Wirtschaftskammer und des Wirtschaftsministeriums. Die zehn umsatzstärksten Händler machten 2012 knapp 31 Prozent des Internet-Einzelhandelsumsatzes in Österreich, wie eine Studie des EHI Retail Institutes und Statista ergeben hat. Generalisten, die Produkte in mindestens fünf Segmenten anbieten, erwirtschafteten knapp 35 Prozent des Gesamtumsatzes.

Viele heimische Händler haben Internethandel verschlafen


19 Prozent der österreichischen Händler, also 7500 Unternehmen, verkaufen über das Internet. Vor allem Händler, die bereits mit Läden präsent sind, wagen den Sprung ins Internet. Dennoch bleibt der Anteil unter anderem deshalb so gering, weil 90 Prozent der österreichischen Einzelhandelsunternehmen Kleinstbetriebe mit weniger als neun Beschäftigten sind. "Einen Onlineshop parallel zu einem Ladengeschäft zu betreiben, ist zeit- und kostenaufwendig", sagt Gittenberger.