Schuss vor den Bug?


Was gegen einen Ausstieg von Abu Dhabi spricht: Zuletzt strebte Ipic bei der OMV nach mehr und nicht nach weniger Einfluss. 2012 sahen Beobachter bereits den Versuch einer feindlichen Übernahme am Horizont, weil Fonds aus dem Einflussbereich der Scheichfamilie OMV-Aktienpakete aus dem Fließhandel zusammengekauft haben sollen. Also doch nur ein Schuss vor den Bug für den renitenten Roiss?

Was aus Sicht der Russen für einen Einstieg bei der OMV spricht: Sie haben das Geld, sie streben nach mehr Einfluss in Europa und sie warfen seit der ersten OMV-Privatisierung ein Auge auf den Austro-Partner. Außerdem sind sie mit Österreich versöhnt, seit das lästige Pipelineprojekt Nabucco abgeblasen wurde. Nabucco, von der OMV angetrieben, hätte Europa von russischem Gas unabhängiger machen sollen. Stattdessen einigte man sich nun auf eine Beteiligung an der russisch-dominierten South-Stream.

"Es war klar, dass die South-Stream-Route nicht von Italien nach Österreich verlegt wird, ohne dass es Zugeständnisse von österreichischer Seite gibt", sagt Energie- und Russland-Experte Gerhard Mangott und zeigt sich nicht verwundert über die Gerüchte. Zwar müsse das Angebot von der Ipic kommen, aber da OMV und Ipic in einem Syndikatsvertrag verbunden sind, müsse es die Bereitschaft für einen Deal vonseiten der OMV geben. Gazprom könne sich den Einstieg leisten. Und dieser würde auch zur strategischen Ausrichtung des Konzerns passen, da der russische Energieriese ohnehin seit Langem versuche, sich in europäische Gasgesellschaften und Gaslagerstätten einzukaufen.

Mangott sieht angesichts der massiven Spannungen zwischen Europa und Russland rund um die Ukrainekrise einen massiven politischen Haken. "Ein eventueller Einstieg in Österreich würde zu intensiven Diskussionen führen." In der Sache selbst sieht er kein Problem: "Beide Gesellschaften arbeiten so intensiv zusammen, dass es nur logisch ist, dass sie dies versuchen, auch wenn es politisch schwer durchsetzbar sein wird."

Veto aus Brüssel?


Mikhail Krutichin, Experte der russischen Energieconsultingfirma "RusEnergy" schlägt in eine ähnliche Kerbe. "Das entspräche völlig der Strategie von Gazprom, die ja versucht, in alle Sektoren des europäischen Gasmarktes einzudringen." Er zweifle aber daran, dass ein solcher Deal den Segen der EU erhalten würde - und diese Zweifel würden größer, je größer das Paket sei, das Gazprom erwerben wolle. Und auch wenn sich Krutichin vorstellen kann, dass Gazprom kleiner anfange, so steht für ihn fest: "Gazprom will immer ein Paket mit einem Kontrollanteil."