Wien. Ist es nur heiße Luft - oder ist doch etwas dran? Seit Donnerstag brodelt die Gerüchteküche um einen möglichen Einstieg der Gazprom bei der OMV. Der russische Gasriese soll demnach in Gesprächen mit dem arabischen Investmentfonds Ipic sein, um über den Kauf von dessen 24,9-prozentigen OMV-Anteil zu verhandeln. Dieses Aktienpaket ist zu Marktpreisen 2,7 Milliarden Euro wert. Insider sprechen von "konkreten Hinweisen", die von offizieller Seite aber nicht bestätigt werden.

Am Freitag meldete sich jedenfalls ein hochrangiger Gazprom-Manager zu Wort, um die zuvor kolportierten Gespräche über den Kauf eines OMV-Anteils zu dementieren. "Das ist nicht wahr", sagte Vizechef Alexander Medwedew der Nachrichtenagentur Reuters. Bei Ipic in Abu Dhabi hieß es indessen: "Kein Kommentar - zu Gerüchten geben wir grundsätzlich keine Stellungnahme ab."

Siegfried Wolf, der beim größten OMV-Aktionär, der Staatsholding ÖIAG, gerade erst zum neuen Aufsichtsratschef gekürt wurde, hatte bereits Donnerstagabend erklärt: "Dass Gazprom bei der OMV einsteigen will, ist uns völlig neu, das kennen wir nicht." Die ÖIAG, die bei der OMV 31,5 Prozent der Anteile hält, kontrolliert den österreichischen Gas- und Ölkonzern gemeinsam mit Ipic. Die Aktionärsehe mit den Arabern besteht seit zwei Jahrzehnten.

Testballon, um zu schauen, wie die Öffentlichkeit reagiert?

An der Wiener Börse zeigte sich der Aktienkurs der OMV am Freitag trotz des Dementis von Gazprom stabil. Ohne größere Bewegungen pendelte er um die Marke von 33 Euro. Tags zuvor hatte der im Leitindex ATX gelistete Energietitel, beflügelt von den Gerüchten, um knapp drei Prozent zugelegt.

Unterdessen glauben Marktbeobachter nicht, dass die Story erfunden ist. Bei manchen Deals sei es so, dass die Beteiligten vorerst einen Testballon steigen ließen, um zu schauen, wie die Öffentlichkeit reagiert. Gerade im Fall von Gazprom würde das Sinn machen. Nach dem Motto: Was ist möglich?

Der Hintergrund dafür: Als Gaslieferant ist Gazprom bereits ein dominierender Player im europäischen Markt. Und mit einer Beteiligung an der OMV würde diese Energieabhängigkeit Europas von Russland tendenziell noch weiter steigen - für Brüssel alles andere als ein wünschenswertes Szenario. Erst am Dienstag sorgten Gazprom und OMV für Schlagzeilen, als sie den Bau des österreichischen Teilstücks der South-Stream-Gaspipeline vertraglich besiegelten. Russlands Staatschef Wladimir Putin weilte persönlich in Wien, um für das von der EU kritisierte Projekt zu werben.

Mit mehreren Versuchen in Westeuropa gescheitert

Bis dato war Gazprom mit seinen Versuchen häufig gescheitert, bei großen europäischen Energie-Firmen einzusteigen, weil die Behörden der jeweiligen Länder eine zu starke Abhängigkeit von den Russen vermeiden wollten. 2008 hatte das britische Parlament einen Deal zwischen Gazprom und Centrica, dem größten Energieunternehmen auf der Insel, blockiert. 2010 stimmte die EU-Kommission gegen die Übernahme von 50 Prozent am österreichischen Gashub Baumgarten durch den russischen Konzern. Sein einziger Erfolg war bis zuletzt der 2012 vereinbarte Aktientausch mit der Wintershall GmbH, Deutschlands größtem Öl- und Gasproduzenten.

Auch im Fall der OMV wäre ein Einstieg für Gazprom mit etlichen Problemen behaftet. Die EU-Wettbewerbshüter wären eines davon, ein weiteres aber auch der Syndikatsvertrag zwischen ÖIAG und Ipic. Dieser zeitlich unbegrenzte Aktionärspakt sieht vor, dass sich beide in Sachen OMV bei wichtigen Entscheidungen abstimmen. Außerdem kann einer der Großaktionäre sein Paket nicht ohne Weiteres verkaufen. Sollte die Ipic ihre Beteiligung verkaufen wollen, hätte die ÖIAG das Vorkaufsrecht. Dieses Vorkaufsrecht existiert allerdings nur auf dem Papier. Gebrauch davon machen könnte die Staatsholding wohl kaum (nur über eine massive Verschuldung), während Gazprom genug eigenes Geld in der Kriegskasse hätte.

Sollten sich die Gerüchte um einen Gazprom-Einstieg bewahrheiten, könnten die Russen Schützenhilfe vom neuen ÖIAG-Präsidenten Wolf bekommen. Der Ex-Magna-Manager, seit Jahren im Firmenreich des russischen Oligarchen Oleg Deripaska tätig, gilt als Putin-Vertrauter. Wolfs Wahl war vor allem bei den Grünen umstritten (auch weil er Putins Kurs bei der Annexion der Halbinsel Krim verteidigt hatte).

Das Sorgenkind der ÖIAG
heißt Telekom Austria

Neben der OMV ist die ÖIAG an der Post (52,85 Prozent) und der Telekom Austria (28,42 Prozent) beteiligt. Die Telekom ist derzeit das Sorgenkind der Staatsholding. Erst dieser Tage kam die überraschende Ankündigung, dass der Firmenwert der Bulgarien-Tochter um 400 Millionen Euro nach unten korrigiert werden muss. Damit drohen für heuer hohe Verluste im Konzern.

Für den Syndikatsvertrag zwischen der ÖIAG und dem mexikanischen Mobilfunkkonzern América Móvil habe das zwar keine Konsequenzen, heißt es. Die Mexikaner sollen weiter zu dem im April fixierten Pakt stehen. Die damit vereinbarte Milliarden-Kapitalerhöhung ist jetzt aber umso dringender, weil Finanzlöcher zu stopfen sind. Ursprünglich sollte frisches Geld in die Expansion der Telekom fließen.