Viele Junge wollen nicht mehr in die Fußstapfen ihrer Eltern treten - der Anteil der Familienbetriebe sinkt daher. - © fotolia/Karin & Uwe Annas
Viele Junge wollen nicht mehr in die Fußstapfen ihrer Eltern treten - der Anteil der Familienbetriebe sinkt daher. - © fotolia/Karin & Uwe Annas

Wien. Österreichs Unternehmer fehlen Nachfolger innerhalb der eigenen Familie: Nur 52 Prozent der Unternehmen werden an Verwandte übergeben, in Wien sind es sogar nur 38 Prozent. Dass die Nachfolge innerhalb der Familie häufig nicht funktioniert, hat verschiedene Gründe: "Die nächste Generation ist gar nicht mehr so daran interessiert, das Familienunternehmen zu übernehmen", sagt Tom A. Rüsen, Geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke in Deutschland.

Ungeliebtes "Geschwisterkind"


Die jüngere Generation studiert häufig im Ausland und sei daher oft nicht bereit, den Betrieb - mitunter in einer ländlichen Gegend - fortzuführen. Außerdem empfinden sie die Firma wie ein "Geschwisterkind", also ein imaginäres Familienmitglied, das viel Aufmerksamkeit der Eltern beansprucht. Dadurch werden sie in jungen Jahren negativ geprägt.

Häufig eignen sich potenzielle Nachfolger innerhalb der Familie nicht als Manager - und sind besser in der Gesellschafterrolle aufgehoben, wenn der Betrieb groß genug dafür ist. "Vor allem bei größeren Unternehmen wird die Messlatte hoch gelegt, was Anforderungen angeht", verweist Rüsen auf die zunehmende Professionalisierung. Wenn das Familienmitglied nicht die Qualifikationen mitbringt, bekommt ein Manager außerhalb der Verwandtschaft zum Zug.

Zahlreiche Übernahmen scheitern auch daran, dass sie schlecht geplant sind. "Viele Unternehmer sind stark im operativen Tagesgeschäft verhaftet. Sie beschäftigten sich erst, wenn sie müssen, mit dem Unternehmenswert und planen strategisch die Zukunft des Unternehmens", sagt Achim Hartmann, Leiter der Finanzplanung in der Bank Austria.

Bis 2018 suchen 57.000 Klein- und Mittelbetriebe einen Nachfolger. Besonders viele Übergaben stehen in Handel und Tourismus, Gewerbe und Handwerk sowie bei Transport- und Verkehrsbetrieben an. Bundesweit liegt der Anteil der Familienunternehmen bei 56 Prozent, in der Bundeshauptstadt bei 46 Prozent. Ihr Anteil sinkt laufend: Ungefähr jedes Jahr um einen Prozentpunkt, heißt es von der Wirtschaftskammer.

Immer öfter wird an Personen außerhalb der Familie verkauft. "Der Wert des Unternehmens gewinnt an Bedeutung", sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien. Gerade Klein- und Mittelbetriebe tun sich aber bei Verkäufen und Übergaben häufig schwer damit, einen realistischen Wert für ihren Betrieb zu ermitteln.

Desillusion programmiert


Das bestätigt auch Rüsen: "Unternehmern droht eine Desillusionierung, wenn sie den Wert nach betriebswirtschaftlichen Berechnungsmethoden ermitteln. Das Herzblut und die Zeit, die sie in den Betrieb gesteckt haben, wird nicht vergütet." Wer also nicht kurz vor der Übergabe aus allen Wolken fallen möchte, sollte frühzeitig den Unternehmenswert ermitteln. Dann bleibt noch Zeit, um den Marktwert zu steigern.

Neben falscher Planung und Eigenmittelmangel trägt oft ein zu hoher Preis die Schuld an einer gescheiterten Übernahme, wie eine Befragung österreichischer Steuer- und Unternehmensberater für das Managementcenter Nord ergeben hat. Außerdem planen viele Übernehmer zu optimistisch. Auch der Übernehmer sollte - gemeinsam mit einem Fachmann - die wirtschaftliche Situation samt allen Potenzialen ungeschminkt beurteilen.

Ein Richtwert für den aktuellen Marktwert kann mit dem neuen Unternehmenswertrechner, der im Internet kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ermittelt werden. Anhand von Branche, Bundesland, wirtschaftlichen Eckdaten und weiteren Faktoren wie Zukunftsaussichten wird der Wert berechnet. Entwickelt wurde das Werkzeug für Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten und maximal 10 Millionen Euro Umsatz von der Wirtschaftskammer Wien, der Bank Austria, dem Wirtschaftsministerium und dem Wifi Unternehmerservice. "Es geht um das Lebenswerk eines Unternehmers, daher sollte man rechtzeitig zu planen beginnen", so Bank Austria-Vorstand Helmut Bernkopf.