Keuschnigg: Aber Du stimmst schon zu, dass solidarisch umverteilt wird. Das kann man nicht wegdividieren. Die Menschen sind stärker abgesichert als in anderen Ländern. Dass Bildung eine zentrale Aufgabe ist, um Armut von vornherein zu verhindern und mehr Chancengleichheit zu schaffen, da sind wir uns einig.

Haben beide ihren Piketty gelesen? Eine Kurzkritik bitte.

Altzinger: Piketty hat den zentralsten Punkt der Gesellschaft angesprochen, den der Chancengleichheit. Er stellt sein gesamtes Datenmaterial zur Verfügung, das heißt, jeder kann mitrechnen und mitdiskutieren. Das ist eine Bereicherung. So könnte ökonomische Wissenschaft auch wirtschaftspolitisch wieder interessant werden.

Keuschnigg: Das Buch ist eine gute Dokumentation der Vermögensentwicklung. Ich habe keine wesentlichen Einwände gegen die Datenreihen. Auch die Themen, die er anspricht, sind sicherlich zentral, auch wenn sie nicht neu erfunden sind. Neu sind die wirtschaftspolitischen Aussagen, und diese teile ich nicht. Es gibt eine Verschiebung in der Vermögenskonzentration, aber das ist kein permanenter Prozess in eine Richtung. Beim reinen Fokus auf die Verteilung des Vermögens wird zu wenig darauf eingegangen, wie der Wohlstand verteilt ist. Dabei ist die Sozialversicherung eine zentrale Säule und die wird komplett ausgeblendet.

Altzinger: Für die Wohlstandsverteilung ist die Vermögensverteilung ganz zentral.

Keuschnigg: Vieles von dem Vermögen ist produktiv und sehr notwendig für die Schaffung neuen Wohlstands. Wenn’s keine Jobs gibt, haben wir mehr Armut