Wien. (kle) Beim Öl- und Gaskonzern OMV sind die Geschäfte im ersten Halbjahr nur holprig gelaufen. Schuld daran waren Produktionsausfälle in den Krisenländern Libyen und Jemen, ein gegenüber dem Euro schwächerer Dollar, vor allem aber schrumpfende Margen im Raffineriegeschäft. Gerade bei der Verarbeitung von Rohöl (etwa zu Treibstoffen und Schmiermitteln) schmälerten eine gedämpfte Nachfrage und ein scharfer Preiskampf als Folge europaweit nach wie vor bestehender Überkapazitäten das Ergebnis.

Vor Zinsen und Steuern weist die OMV für die erste Jahreshälfte einen Gewinn von 908 Millionen Euro aus, der sich damit im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum mehr als halbiert hat. Spürbar zurückgegangen ist auch der Konzernumsatz - und zwar um ein Zehntel auf 19,1 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Fördermenge etwas höher

Was die Gesamtproduktion im ersten Halbjahr betrifft, hat die OMV ein kleines Plus von einem Prozent auf 304.000 Barrel Öleinheiten pro Tag eingefahren, obwohl die Produktion im Jemen einen Monat unterbrochen war und in Libyen ab März zur Gänze stillstand. Dass die OMV im Vorjahr mehrere Öl- und Gasfelder in der Nordsee für gut zwei Milliarden Euro erworben hatte, machte diese Ausfälle zwar wett. Da für die Produktion in Norwegen aber höhere Kosten anfallen als in Libyen (nicht zuletzt wegen des teureren Betriebs von Bohrinseln im Meer), reduzierte auch das den Konzerngewinn.

Libyen gilt seit Jahren als "Sorgenkind" der OMV. Vor dem Sturz des Langzeit-Diktators Muammar al-Gaddafi bezog das teilstaatliche Wiener Unternehmen von dort ungefähr zehn Prozent seines Öls. Doch seit der Revolution erschüttern blutige Unruhen das nordafrikanische Land, was die OMV immer wieder zwingt, ihre Förderanlagen aus Sicherheitsgründen zu stoppen. Obwohl die Krise in Libyen noch nicht vorbei ist, macht sich im Konzern neue Hoffnung für die dortige Ölförderung breit. Nach monatelangem Stillstand ist die Produktion zuletzt wieder aufgenommen worden, wie OMV-Chef Gerhard Roiss am Dienstag mitteilte. Pro Tag würden nun rund 8000 Fass (je 159 Liter) gefördert. "Wir haben mittlerweile auch das erste Schiff abgefertigt, das unterwegs ist nach Triest, um unsere Raffinerie Burghausen zu versorgen, und sind dabei, ein zweites mit eigenem Rohöl zu beladen", berichtete Roiss in der Halbjahrespressekonferenz. Das aktuelle Produktionsniveau in Libyen sei freilich nur ein Bruchteil jener 30.000 Fass, die man in Friedenszeiten fördere.

Vorsichtiger Ausblick

Wie sehr die Ausfälle der Produktion in Libyen dem Gewinn der OMV zusetzen, machte Finanzvorstand David Davies mit folgender Rechnung deutlich: "Der Unterschied zwischen null Beitrag und 100 Prozent Beitrag von Libyen - gemessen an einem Ölpreis von 105 Dollar - ist fast 950 Millionen Euro beim Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern, Anm.)." Die Produktion in Libyen sei die rentabelste, die die OMV habe.

Weil die Lage in dem Land weiter unsicher ist, bleibt Roiss bei seinen Zielen für das Gesamtjahr vorsichtig. Für den Fall, dass die Ölförderung in Libyen wieder auf null zurückfällt, rechnet der Konzernchef für 2014 wie schon bisher mit einer Gesamtproduktionsmenge von rund 310.000 Barrel Öleinheiten pro Tag. Das bedeutet freilich dennoch, dass die OMV ihre Förderleistung in der zweiten Jahreshälfte kräftig steigern muss. Zuwege bringen will Roiss das vor allem mit Hilfe der beiden norwegischen Felder Gudrun und Gullfaks sowie des neuseeländischen Feldes Maari.

Börsenkurs steigt

An der Wiener Börse legte die OMV-Aktie am Dienstag leicht zu. In einem etwas schwächeren Umfeld ging es mit dem Titel im Handelsverlauf um 0,8 Prozent auf 29,31 Euro nach oben. Seit Jahresbeginn hat der OMV-Kurs allerdings stark gelitten: Fast 16 Prozent büßte die im Leitindex ATX gelistete Aktie an Wert ein.