• vom 19.08.2014, 17:33 Uhr

Österreich

Update: 19.08.2014, 18:20 Uhr

Kaindl

Glattes Parkett




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Von Reinhard Göweil

  • Die Salzburger Holz-Dynastie Kaindl kauft sich - via Kronospan - von Raiffeisen eine Bank in Malta.

Aus Salzburg nach Sliema: Von Holzverarbeitung in Finanzdienstleistung expandiert Kaindl.

Aus Salzburg nach Sliema: Von Holzverarbeitung in Finanzdienstleistung expandiert Kaindl.© salzburgwiki/Franz Fuchs, corbis Aus Salzburg nach Sliema: Von Holzverarbeitung in Finanzdienstleistung expandiert Kaindl.© salzburgwiki/Franz Fuchs, corbis

Wien. Sie zählt zu den reichsten Familien Österreichs, die Salzburger Industriellen-Dynastie Kaindl. Unter diesem Namen werden Parkett- und Laminat-Böden verkauft. Hinter Kaindl steckt aber auch noch Kronospan, der größte Spanplatten-Erzeuger Europas mit einem Umsatz von zirka zwei Milliarden Euro und weltweit insgesamt 14.000 Mitarbeitern. Die über den Globus verstreuten 40 Werke werden überaus autonom geführt, sie sind bloß eingebettet in eine komplexe Struktur von kaum einsehbaren Holdings in Steueroasen wie Zypern und den Kanalinseln.

Nun hat sich die Familie Kaindl, die seit 1897 in Holz macht, eine Bank gekauft. Und zwar von der Raiffeisen Bank International deren Tochterbank in Malta. Dem Vernehmen nach steckt Kaindl etwa 100 Millionen Euro in die Bank, die gerade in ECCM Bank umbenannt wurde. Bei der Präsentation in Sliema war sogar der dortige Regierungschef anwesend.


Diskretion erbeten . . .
Der Verkauf der Bank ging überaus diskret über die Bühne. Raiffeisen veröffentlichte den Verkauf ihrer Malta-Bank nicht. Die Familie Kaindl hält ohnehin wenig davon, Unternehmens-Interna bekanntzugeben. Als Käufer in Malta traten dementsprechend diskret eine Banasino Investments mit Sitz auf Zypern und eine Douglas Insurance Company (Isle of Man) auf. Beide Firmenvehikel gehören zur Kronospan-Gruppe, wurde den maltesischen Aufsichtsbehörden versichert. Matthias Kaindl junior sitzt als Familien-Vertreter im Direktorium der Malta-Bank.

Das Institut wird - so die Absicht der Kaindls - seine Dienste vor allem den vielen Konzern-Gesellschaften anbieten und auch "treasury"-Geschäfte abwickeln. So ist daran gedacht, Geldreserven in allen möglichen Währungen von anderen Unternehmen, etwa von Lieferanten und Kunden, zu verwalten. Lokales Geschäft gibt es nicht.

Raiffeisen bestätigte der "Wiener Zeitung" auf Anfrage den Verkauf der Bank, mehr nicht. "Wir halten uns an die Vereinbarungen mit dem Käufer." Von Matthias Kaindl junior war keine Stellungnahme zu erhalten.

Industrie als Banken
Bei den Banken selbst wird diese Entwicklung durchaus mit Sorge betrachtet. "Immer mehr international agierende Unternehmen organisieren sich ihr Finanzierungsgeschäft selbst", sagte ein Banker zur "Wiener Zeitung". "Die harte Regulierung in Europa macht es uns immer schwerer, die Wünsche von Kunden zu erfüllen. Wer es sich leisten kann, macht es also selbst."

Raiffeisen ist die zweite österreichische Bank, die ihre Malta-Tochter verkauft. Vor einigen Wochen musste die Volksbanken AG ihre Malta-Bank abgeben, allerdings aus Gründen der gewährten Bankenhilfe. In Malta haben noch die Sparkasse Schwaz, die Erste Bank und die Bawag Tochterbanken. Sie wurden aus steuerlichen Gründen erworben. Seit dem EU-Beitritt Maltas und der Übernahme der Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank ist dies aber unattraktiver geworden.

Bei Kaindl selbst dürfte die nachrückende Generation treibende Kraft des Deals gewesen sein. Matthias junior, Peter und die in der Schweiz lebende Ines Kaindl sollen sich für den Kauf ausgesprochen haben. Dass sich als Kaufobjekt die maltesische Raiffeisen-Tochter herausschälte, ist wenig verwunderlich. Raiffeisen und Kaindl sind derzeit in Russland eine Art Schicksalsgemeinschaft. Kronospan ist mit seinen Holzverarbeitungs-Werken Großinvestor in Russland, die Sanktionen machen derzeit alle nervös. Eine ursprünglich auf 200 Millionen Euro ausgelegte Expansion in Russland dürfte halbiert werden. Kaindl veröffentlicht keine konsolidierten Unternehmensdaten, Peter Kaindl sprach aber zuletzt von einem Investitionsvolumen in Höhe von 100 Millionen.

Familie statt Konzern
Die Salzburger Holz-Dynastie war zuletzt im Juni 2013 in den Schlagzeilen, als der über den dortigen Finanzskandal gestolperte Ex-Landesrat David Brenner als Chef des Kronospan-Werkes bei Dresden bekanntgegeben wurde. Kronospan ist indes kein Konzern im eigentlichen Sinn, die Werke arbeiten sehr selbständig und konkurrieren sich bei Kunden.

Wie eigenständig die Einzelteile agieren, zeigte der Bank-Kauf. Bei der Kaindl KG gab man sich unwissend und verwies auf die Kronotec Consulting in St. Gilgen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-08-19 17:38:04
Letzte Änderung am 2014-08-19 18:20:04


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