Menschen mit körperlicher Einschränkung haben vergleichsweise gute Chancen, einen Job zu finden. Sehr schwierig ist die Stellensuche für Menschen mit psychischen Problemen. - © Edler von Rabenstein/fotolia
Menschen mit körperlicher Einschränkung haben vergleichsweise gute Chancen, einen Job zu finden. Sehr schwierig ist die Stellensuche für Menschen mit psychischen Problemen. - © Edler von Rabenstein/fotolia

Wien. (sf) "Mitleid und Berührungsängste" hat Gregor Demblin erfahren, als er aus der Reha kam. "Leistung wird einem nicht zugetraut", sagt der Gründer der Internet-Jobbörse Career Moves, der seit der Diagnose Querschnittlähmung nach einem Badeunfall auf der Maturareise im Rollstuhl sitzt. Dennoch ist er überzeugt: "Menschen mit Behinderung können Leistungsträger sein." Beweisen können das viele behinderte Menschen jedoch nicht - denn noch immer haben sie schlechtere Chancen, einen Job zu bekommen. Die Arbeitslosigkeit von Behinderten in Österreich ist in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich stark gestiegen.

Falsche Bilder und Vorurteile


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www.careermoves.at
www.arbeitundbehinderung.at
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Die Stimmung gegenüber der Einstellung von Behinderten hat sich verbessert, wie eine Umfrage unter mehr als 250 Chefs und Personalverantwortlichen ergeben hat. 71 Prozent der befragten Unternehmen sehen Mitarbeiter mit Behinderung als eine wichtige Personalressource, das sind sieben Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung vor einem Jahr. 50 Prozent der Befragten sagen, dass Menschen mit Einschränkungen sehr gute Arbeit leisten (plus 18 Prozent).

Jedoch halten sich 64 Prozent der Unternehmen für nicht ausreichend informiert, das sind mehr als im Vorjahr. "Es gibt falsche Bilder, Vorurteile und persönliche Berührungsängste, etwa wie man mit einem behinderten Menschen redet", so Demblin. Nicht viele Unternehmen haben einen eigenen Disability Manager wie etwa die Bank Austria. Unterstützung und Beratung können sich Betriebe beim Sozialministeriumservice (vorher Bundessozialamt) und bei Career Moves holen. Auf der Internet-Plattform Career Moves können Firmen Jobinserate schalten, für die sich Behinderte chancengleich bewerben können. Symbole zeigen, welches Stellenangebot für Personen mit welchen Einschränkungen besonders gut geeignet ist.

Kündigungsschutz gelockert

Nur 20 Prozent der österreichischen Betriebe erfüllen ihre Quote zur Beschäftigung Behinderter. Kommt ein Arbeitgeber seiner Verpflichtung nicht nach, muss er eine Ausgleichstaxe (mindestens 244 Euro pro Monat) zahlen. Die Beschäftigungspflicht von begünstigt behinderten Personen betreffe rund 95 Prozent der österreichischen Betriebe nicht, sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Diese gilt nur für Arbeitgeber, die mindestens 25 Arbeitnehmer beschäftigen - sie müssen mindestens einen begünstigt behinderten Menschen auf je 25 Beschäftigten einstellen.

Als Argument gegen die Einstellung von Behinderten wird immer wieder der Kündigungsschutz angeführt. "Der seit 2011 gelockerte Kündigungsschutz ist vielen Unternehmen nicht bewusst", so Hundstorfer. Bei jenen Firmen, die bereits Behinderte beschäftigten, spielt der Kündigungsschutz offenbar gar keine große Rolle mehr: 92 Prozent der Befragten empfehlen die Beschäftigung von Behinderten weiter.