Heimische Lebensmittel sollen verstärkt nach Nordafrika und China exportiert werden. - © fololia.com/alb470
Heimische Lebensmittel sollen verstärkt nach Nordafrika und China exportiert werden. - © fololia.com/alb470

Wien. (del) Wohin mit österreichischen Äpfeln und Bergkäse? Der agrarpolitische Herbstauftakt steht heuer im Zeichen des Russland-Embargos für österreichische Lebensmittel. Bauernbund-Präsident Jakob Auer, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes kündigten am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz an, verstärkt nach alternativen Absatzmärkten für heimische Lebensmittel zu suchen. Durch eine Exportoffensive im Herbst sollen Ausfälle der Russlandexporte kompensiert werden.

Bisher hat Österreich Agrarprodukte wie Obst, Fleisch und Milchprodukte im Umfang von 240 Millionen Euro nach Russland exportiert. Rupprechter rechnet mit Einbrüchen von 100 Millionen Euro wegen des Embargos. Damit Bauern nun nicht auf ihren Erzeugnissen sitzen bleiben, wollen Kammer, Bund und Ministerium neue Märkte suchen.

Käse für China


"Unsere Exportwirtschaft wird nach dieser Krise andere Kunden und Märkte haben", sagte Schultes. Die Suche nach Alternativen geht über die EU-Grenzen hinaus. Der Binnenmarkt ist weitgehend gesättigt. Als Hoffnungsmärkte gelten China und Nordafrika. Neuerdings versorgen heimische Bauern Luxushotels in Ägypten mit österreichischen Äpfeln. Im Herbst ist zudem eine Messereise in Kooperation mit der Wirtschaftskammer nach China geplant. Dort sollen heimische Firmenvertreter mit potenziellen Abnehmern zusammengebracht werden.

Auf der Hofex - eine Messe für Hotels und gehobene Gastronomie - in Hongkong sollen heimische Lebensmittelexporteure neue Abnehmer für ihre Produkte finden, erzählt Karl Hartleb, stellvertretender Leiter der Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich. Die Kammer wolle den heimischen Betrieben mit Kontakten oder sogar mit Kostenzuschüssen für Messeteilnahmen unter die Arme greifen.

"Ein Segment, das noch Potenzial hat, ist die Private Lable Produktion", sagt Hartleb. Das bedeutet, dass heimische Bauern für ausländische Lebensmittelmarken produzieren. Österreich habe da bei qualitativen Nischen- und Bio-Produkten gute Chancen.

Apfel-Selfies


Heute, Freitag, findet eine Sondersitzung der Agrarminister in Brüssel statt. Dort soll besprochen werden, wie auf EU-Ebene mit Exportausfällen aufgrund des Russland-Embargos umgegangen wird. So sollen 60 Millionen Euro für die Absatzförderung von der EU-Kommission kommen.

Schon kurz nach dem verhängten russischen Importstopp Anfang August für leicht verderbliche Lebensmittel aus der EU machte Landwirtschaftsminister Rupprechter mit Apfel-Selfies für heimische Produkte. "Der Apfel ist zum Symbol geworden", sagte der Minister gestern. Er rief erneut Konsumenten dazu auf, verstärkt zu heimischen Lebensmitteln zu greifen. Würden die Österreicher zehn Prozent mehr heimische Lebensmittel kaufen, würden 10.000 Arbeitsplätze gesichert.

Wenig Infos zu Öko-Steuer


Im Rahmen des Herbstauftaktes kamen auch erste Forderungen in Richtung Steuerreform. Bauernbundpräsident Auer sprach sich etwa gegen eine Anhebung der Grundsteuer aus. Diese wird derzeit zur Gänze von den Gemeinden eingehoben. Stattdessen wünscht sich Auer die Abschaffung der Befreiungsmöglichkeit aus. In manchen Gemeinden ist das derzeit möglich. Würde man die Steuerentlastung niedriger Einkommen durch eine höhere Grundsteuer gegenfinanzieren, fürchtet Auer, dass dadurch die Mietpreise steigen könnten. Hauseigentürmer könnten dann die zusätzlichen Kosten auf die Mieter übertragen. Rupprechter zu einer möglichen Ökosteuer-Reform: "Im Rahmen unseres ökosozialen Konzepts wird ein Vorschlag vorgelegt werden." Was dieses beinhaltet, sagt der Minister derzeit noch nicht.