Wien. (kle) Im Vorjahr waren fünf Verhandlungsrunden mitsamt einer Streikdrohung notwendig, um zu einem Abschluss zu kommen. Auch heuer dürften sich die Lohn- und Gehaltsverhandlungen in der Metallbranche ähnlich zäh gestalten, denn mit der Konjunktur ist es weiterhin alles andere als zum Besten bestellt. Diesen Donnerstag beginnt jedenfalls wieder das alljährliche Feilschen. Da übergeben die beiden Gewerkschaften Pro-Ge und GPA ihre Forderungen an die sechs Metaller-Fachverbände und läuten damit die Herbstlohnrunde ein. Noch am selben Tag fällt auch der Startschuss für die Verhandlungen mit dem größten Verband, dem der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI).

Die Abschlüsse in der Metallindustrie, in der rund 180.000 Menschen arbeiten, gelten als Richtschnur für alle anderen heimischen Wirtschaftsbranchen. 2013 lag das Lohn- und Gehaltsplus bei den Metallern im Schnitt bei 2,8 Prozent, bei einer Jahresinflation von 2,4 Prozent.

Für heuer wird von einer Teuerungsrate von 1,8 Prozent ausgegangen. Ein darüber liegender Abschluss steht auf Arbeitnehmerseite vorab bereits außer Diskussion. "Wir fordern einen Reallohnzuwachs", sagte Rainer Wimmer, Chefverhandler der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge, am Montag. Die Ertragslage der Branche sei "sehr gut" gewesen - nun gelte es, "die Mitarbeiter am Erfolg teilhaben zu lassen".

Proyer: "Standort-Bashing"


Im Gegensatz zur Gewerkschaft zeichnet der FMMI ein völlig anderes Bild der Branche. Christian Knill, sein Obmann, deutete am Montag in einer Pressekonferenz ein "Ende des Produktionsstandorts" an und betonte: "Uns geht es schlecht." Der Chefverhandler der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Karl Proyer, zeigte sich daraufhin "fassungslos": Das grenze ja schon an "Standort-Bashing". In den vergangenen Jahren hätten die Konzerne jährlich rund zwei Milliarden Euro an ihre Eigentümer ausgeschüttet, gab Proyer zu bedenken. So schlecht könne die Lage also nicht sein.

Knill verwies indes auf Konjunkturdaten der Statistik Austria für den Industriesektor. Bei den Auftragseingängen habe es in diesem Jahr inflationsbereinigt einen Rückgang um 3,7 Prozent gegeben. Knill: "Die Kennzahlen zeigen alle nach unten. Wir haben ein Strukturproblem und immer mehr Lecks in unserem Industrieschiff." Auf den Personalstand habe das bereits Auswirkungen, so der Verbandschef. Rund 2000 der 120.000 Jobs in den FMMI-Betrieben seien seit 2013 verloren gegangen. Zudem gebe es derzeit zehn Anträge für Kurzarbeit.

Sorgen bereitet Knill vor allem die Ukraine-Krise. Immerhin sei Russland der fünftgrößte Exportmarkt für die Branche.

Flexiblere Arbeitszeiten?


Knill forderte die Gewerkschaften zu einem Schulterschluss auf und mahnte einen "moderaten" Abschluss bei den Kollektivvertragsverhandlungen ein. "Der Anstieg der Arbeitskosten um zwölf Prozent seit dem Jahr 2008 ist eine der größten Baustellen", betonte der FMMI-Obmann.

Flexiblere Arbeitszeiten stehen dabei besonders im Fokus der Arbeitgeber. Gerade das Thema Arbeitszeit war schon in der Vergangenheit neben der Lohn- und Gehaltserhöhung immer wieder ein großer Knackpunkt bei den KV-Verhandlungen. Die Arbeitgeber drängen auf eine Arbeitszeitflexibilisierung, um größere Schwankungen in der Auftragslage besser abfangen zu können. Auf einen Durchbruch hoffen sie jetzt für heuer.

Die Gewerkschaften haben sich bisher jedoch gegen eine Junktimierung von Geld und Arbeitszeit gewehrt, während die Arbeitgeber mit höheren Abschlüssen für den Fall einer Arbeitszeitflexibilisierung gelockt haben. Für die Arbeitnehmervertreter wäre das allerdings nur scheinbar ein Lohnanstieg, da durch längere Durchrechnungszeiträume für die Überstundenabgeltung Zuschläge für Mehrarbeit verlorengehen könnten. Hintergrund: Je länger der Durchrechnungszeitraum ist, desto eher können Arbeitgeber die Mehrarbeit in Zeiten schwächerer Auftragslage in der regulären Arbeitszeit wieder abbauen.