Graz. Die Bereitschaft zum Wandel - auch in Firmen und Branchen - beginnt im Kopf, der Mensch sei bei Verhaltensänderungen aber träge, daher bedürfe es kluger Anreize, sagt der Schweizer Trendforscher und Thinktank-Leiter David Bosshart. Gefragt sei strategische Weitsicht und ein Denken in Kooperationen statt eines Verharrens in der eigenen Branche, meinte der Experte bei einer Tagung in Graz.

Den Wandel aktiv zu gestalten mache mehr Spaß, als einfach in einem Team mitzulaufen, doch würden Top-Verantwortliche oft nur in ihrem eigenen "Erfolgsgefängnis" verharren. Führungskräfte würden defensiv entscheiden, im Zweifel eher für ihren eigenen Job als für ihr Unternehmen - das sei eine große Gefahr, auch wenn es ein menschlicher Zug sei, warnte der Leiter des Schweizer Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) am Donnerstag als Keynote-Speaker beim Jahreskongress des E-Wirtschafts-Verbandes Oesterreichs Energie.

Neue Strategien seien in Schwellenländern schneller umsetzbar, da sie dort nicht alte Strukturen zerstören müssten. Sei man zu früh dran, eine neue Strategie umzusetzen, bekomme man ein Problem mit dem Cashflow, wenn man zu spät sei, dann ein Problem mit dem Wettbewerb, also den Konkurrenten. Mit Geschäftsmodellen seien Unternehmen oft "im Porsche-Tempo unterwegs" - also recht flott -, würden aber bei interner Struktur und Organisation hinterherhinken, nämlich dort Änderungen "nur im Fahrrad-Tempo" vornehmen.

Die digitale Revolution werde keine schwachen Player überleben lassen, ist Bosshart überzeugt. In Europa würden weiterhin kleine, regionale Märkte dominieren - womöglich sei dann aber die Schlagkraft zu gering für ein weltweites Agieren; dort könnten Europa womöglich andere Märkte den Rang ablaufen.