Technik erleichtert das Arbeiten der Schlüssel zum Erfolg ist mehr Vertrauen. - © Jack Hollingsworth/Corbis
Technik erleichtert das Arbeiten der Schlüssel zum Erfolg ist mehr Vertrauen. - © Jack Hollingsworth/Corbis

Wien. Die Welt wächst zusammen. Dies spürt man vor allem als Unternehmen, das über Landesgrenzen und mehrere Standorte hinweg erfolgreich tätig sein will. Die technologischen Innovationen der jüngeren Vergangenheit, ob Videokonferenzen oder verteiltes Rechnen und Arbeiten, machen den Arbeitsalltag längst nicht mehr zu einer ortsgebundenen Tätigkeit. Doch auch wenn die Technik bereits seit geraumer Zeit vorhanden ist, bedarf es nicht nur der Installation neuer Endgeräte und IT-Lösungen, sondern und vor allem eines neuen Arbeits- und Führungsstils. Genau diesen Fragen und Möglichkeiten der "virtuellen Führung" ging die Veranstaltung People Management Circle zum Thema "Virtual Leadership - Die VerFührungen des 21. Jahrhunderts", organisiert von der Personal- und Managementberatung Dr. Pendl & Dr. Piswanger GmbH und vom Consultingunternehmen Viacona GmbH in der Wiener UniCredit Academy nach.

Probleme bei Umsetzung

Wo liegen die Schlüssel zum Erfolg? Was bedeutet virtuelles Führen heute und welche Stolpersteine gilt es zu beachten? Dies waren jene Fragen, denen man sich in den Podiumsdiskussionen widmete, um den heimischen Personalisten die Chancen, aber auch mögliche Probleme aufzuzeigen. Eines war dabei schnell klar, auch wenn es sich zunächst um eine ziemlich technische Frage zu handeln scheint - welche Systeme werden eingesetzt und welche Lösungen machen Sinn? -, sind es doch zutiefst die menschlichen Aspekte, die zu klären sind.

Schon in der Keynote von Professor Hans A. Wüthrich, Privatdozent an der Universität St. Gallen, wurde auf unterhaltsame Weise ein wesentlicher Punkt angeschnitten - Unternehmen müssen mutiger, experimentierfreudiger und vertrauensvoller werden, wollen sie erfolgreiches virtuelles Arbeiten und Gestalten ermöglichen. "Man muss sich als Unternehmen eine Sache klar bewusst machen", so Wüthrich, "ein Experiment kann nur scheitern, wenn man es nicht durchführt. Wer den Mut besitzt, kann immer davon profitieren." Nicht die Technologie, sondern die Implementierung ist der Knackpunkt, oder in den Worten des Universitätsprofessors: "Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem."

Auch am Podium zeigte sich schnell, dass die großen Themenbereiche bei virtueller Führung eigentlich ziemlich logisch und einfach sind, doch leider im Unternehmensalltag nicht bedacht werden oder zu kurz kommen. Je weiter weg die Mitarbeiter sitzen, desto größer muss das Vertrauen in die Menschen und ihre Fähigkeiten sein. Wer nicht Tür an Tür mit seinem Vorgesetzten oder den Kollegen sitzt, muss ebenso informiert sein wie diese. Klare Kommunikation, Zutrauen und die Bereitschaft, loszulassen, sind daher ebenso unerlässlich, wie verstärkte Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Mitarbeiter am weit entfernten Standort.

"Das Wichtigste ist es, ein gemeinsames Ziel zu definieren und klar zu kommunizieren", meinte etwa Jochen Borenich von Kapsch. "Klarheit, klare Strukturen und eine Möglichkeit, Feedback zu geben und anzunehmen", ergänzte Monika Elsik vom Wifi Österreich die Anforderungen an die neuen Führungsmodelle.

Neue Art von Führungsstil

Der Erfolg der virtuellen Teams sei zudem "nicht technologieabhängig, sondern abhängig von den Menschen und ihren Bedürfnissen und der entsprechenden Führung", meinte auch Rolf Unterberger von Frequentis. Die neue Art der Zusammenarbeit verlange einen neuen Führungsstil, der durchaus mit einer klaren Abkehr der bisherigen Strukturen und Modelle in einem Unternehmen einhergehen muss. Wenn ein Unternehmen an einem Standort mit den Mitarbeitern vor Ort keine Kommunikationskultur pflegt, keinen Wissensaustausch und Wissenstransfer ermöglicht sowie keine klaren, gemeinsamen Ziele formulieren kann, dann wird ein gemeinsames Arbeiten in Teams und über virtuelle Arbeitskonzepte nicht nur schwierig, sondern scheitern.

Doch selbst wenn Videokonferenzen, Chats, soziale Netzwerke und der Austausch der Teams über Internet und Computer perfekt funktionieren, darf es niemals ohne echten menschlichen Kontakt laufen. "Man muss sich auch weiterhin persönlich sehen, man muss sich treffen und man muss sich einmal gerochen haben, dann sind entsprechende Ansätze von Erfolg gekrönt", meinte Angelo Rizzuti von der UniCredit. Je weiter weg der Mitarbeiter, desto stärker muss das Vertrauen sein, desto mehr Führungsqualität wird von den Managern auch abverlangt. Technik kann das menschliche nicht ersetzen, sie zeigt lediglich die gravierenden Mängel viel deutlicher auf.