Wien. (kle) Dass die Führungsriege des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns OMV schon seit Monaten zerstritten ist, hat den Aufsichtsrat unter Vorsitz von ÖIAG-Boss Rudolf Kemler vorige Woche veranlasst durchzugreifen. OMV-Chef Gerhard Roiss muss somit vorzeitig gehen. Nicht sofort, aber zur Jahresmitte 2015. Ein ähnliches "Schicksal" hat nun Kemler selbst ereilt. Seinen Vertrag als ÖIAG-Alleinvorstand hat der Aufsichtsrat der Staatsholding am Donnerstag wie erwartet gekündigt. Womit auch Kemler den Hut nimmt - so wie Roiss nicht sofort, aber bis spätestens Ende Oktober 2015.

Sollte die von der Regierung geplante ÖIAG-Reform früher umgesetzt sein, wird Kemlers Vertrag zu einem früheren Zeitpunkt aufgelöst, erklärte Aufsichtsratspräsident Siegfried Wolf in einer Pressekonferenz. Wer dem Ex-Siemens-Manager im ÖIAG-Vorstand nachfolgt (und auch wann genau), ist vorerst offen.

In der gestrigen Aufsichtsratssitzung galt der brisanteste Punkt der Tagesordnung zumindest aus medialer Sicht dem Thema "Personelles". Die Anzeichen für eine Abberufung Kemlers hatten sich bereits im Vorfeld des Meetings stark verdichtet. Ohne Kündigung wäre sein Vertrag - und so ist es darin festgeschrieben - jetzt im Oktober automatisch um weitere zwei Jahre bis 2017 gelaufen.

Als ÖIAG-Chef war Kemler bei der Bundesregierung zuletzt aber alles andere als gut angeschrieben - nicht nur wegen der Führungskrise bei der OMV, sondern auch wegen des umstrittenen Aktionärspakts mit América Móvil bei der Telekom Austria. Was noch dazugekommen ist: Die Koalitionsparteien hatten zuletzt ihre Absicht, die ÖIAG neu aufzustellen, bekräftigt. Und neu durchstarten zu wollen bedeutet wohl auch, dies mit einem neuen Vorstand zu tun. Dem Vernehmen nach soll künftig ein Zweiervorstand etabliert werden. Böse Zungen behaupten, dass der Proporz, eine Aufteilung der Posten zwischen Rot und Schwarz, dann wieder "fröhliche Urständ feiert".

Auch bei Aufsichtsratschef Wolf kein Rückhalt mehr

Zuletzt hatte Kemler aber nicht einmal mehr aus den eigenen Reihen Rückendeckung. Wolf wurde nachgesagt, dass er verärgert sei, weil Kemler die Situation in der Staatsholding und ihren Betrieben offensichtlich nicht unter Kontrolle habe. Die Entscheidung, Kemlers Vertrag nicht bis 2017 zu verlängern, sei jedenfalls im Einklang mit dem Eigentümervertreter, Finanzminister Hans Jörg Schelling, getroffen worden, ließ der ÖIAG-Aufsichtsratschef auf entsprechende Journalistenfragen wissen.

Kemler sagte nach der Pressekonferenz, dass er selbst den Aufsichtsrat gebeten habe, die Verlängerungsoption nicht zu ziehen. Bei der Staatsholding gehe es in eine Richtung, in der die Politik wieder eine größere Rolle spielen solle. "Und das ist nicht das Umfeld, in dem ich mich betätigen will", betonte Kemler. Mit Blick auf seine bisher zweijährige ÖIAG-Tätigkeit habe er sich jedenfalls "überhaupt nichts vorzuwerfen". Es gebe es "nur Positives, nichts Negatives".

Wie berichtet will die Regierung mit der ÖIAG-Reform wieder mehr Mitsprache in der Staatsholding bekommen, um strategisch mitgestalten zu können. Geplant ist vor allem auch ein Umbau des derzeit sich selbst erneuernden Aufsichtsrats, auf dessen Entscheidungen die Politik zuletzt keinen Einfluss hatte. Das Prinzip der Selbsterneuerung durch Wirtschaftsexperten hatte die schwarz-blaue Regierung unter Schüssel nach der Jahrtausendwende eingeführt. Künftig sollen die ÖIAG-Aufsichtsräte wieder von der Politik bestellt werden.

Zuletzt standen rund um die geplante Reform auch Börsenpläne für die Staatsholding im Raum (die "Wiener Zeitung" berichtete exklusiv). Noch unklar ist indes, welche Bundesbeteiligungen die ÖIAG dazubekommen soll. Als Kandidaten gelten der Verbund, die Bundesforste, die Casinos Austria und mit Abstrichen auch die Asfinag. Klarheit über die neue Struktur soll es bis Jahresende geben. Bis dahin soll ein Reform-Papier vorliegen, die Neuerungen sollen dann im ersten Quartal 2015 in das ÖIAG-Gesetz einfließen.