Wien. (kle) Viel ist in der ÖIAG derzeit in Bewegung - vor allem personell. Rudolf Kemler, erst seit knapp zwei Jahren im Chefamt, geht, sobald die Regierung die geplante Reform der Staatsholding festgezurrt hat. Seinen Vorstandsvertrag hat der ÖIAG-Aufsichtsrat am Donnerstag - nach der zuvor publik gewordenen Führungskrise bei der teilstaatlichen OMV - gekündigt. Spätestens Ende Oktober 2015 ist Kemler weg. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen.

Schon jetzt weg ist indes ein weiteres Mitglied des ÖIAG-Aufsichtsrats, wie vor dem Wochenende bekannt wurde. Nach dem Abgang von Ex-Siemens-Managerin Brigitte Ederer im September ist nun auch Wolfgang Leitner, Konzernchef des Grazer Anlagenbauers Andritz, überraschend abgesprungen. Leitner war erst im Juni als Kapitalvertreter in das Kontrollgremium eingezogen.

Zwei Aufsichtsratssitze
derzeit unbesetzt


Ein Sprecher der Andritz AG betonte am Freitag, Leitner habe sich "aus zeitökonomischen Gründen" aus dem ÖIAG-Aufsichtsrat zurückgezogen. Sein Rücktritt habe nichts mit den Vorgängen in der ÖIAG und ihren Beteiligungen zu tun. Bereits in der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, in der es um Kemlers Abberufung ging, war Leitner nicht anwesend.

Hatte der ÖIAG-Aufsichtsrat vor kurzem noch zehn Kapitalvertreter, sind es nach Ederers und Leitners Abgang jetzt nur noch acht. Zwei Sitze sind also vakant. Bei der Staatsholding hieß es dazu: "Die Nachbesetzung läuft." Neben den Eigentümervertretern sitzen noch fünf Arbeitnehmervertreter der ÖIAG-Firmen OMV, Post und Telekom im Aufsichtsrat.

Wie berichtet, will die Bundesregierung im Zuge der ÖIAG-Reform auch den Aufsichtsrat neu aufstellen. Das bisherige Prinzip der Selbsterneuerung soll wegfallen. In Zukunft soll damit wieder politischer Einfluss auf strategische Entscheidungen genommen werden können.