Wien. In der ersten Frist, die am 27. November endete, kam überraschenderweise kein Signing zustande - obwohl bereits alles ausverhandelt war. Doch nun ist der Vertrag besiegelt und der Verkauf des Balkan-Netzwerks der staatlichen Hypo Alpe Adria (jetzt Heta) somit fixiert. Die fünf Südosteuropa-Banken samt Holding gehen an den US-Beteiligungsfonds Advent International und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

Ganz ist der zäh gelaufene Deal aber noch nicht im Trockenen. Die EU-Kommission und die zuständigen nationalen Behörden müssen noch ihren Sanktus geben, damit der Verkauf - eine Auflage Brüssels aufgrund der staatlichen Milliardenhilfen für die Hypo - abgeschlossen werden kann, womit für spätestens Mitte 2015 gerechnet wird.

Zudem will sich einer der unterlegenen Bieter nicht mit seiner Niederlage abfinden. Das Konsortium aus bulgarischer VIA Group und russischer VTB Bank teilte am Dienstag mit, rechtliche Schritte gegen Österreichs Verkaufsentscheidung zu prüfen und eine Beschwerde bei der EU-Kommission vorzubereiten. VIA und VTB meinen, sie hätten das "attraktivste Angebot" gelegt. Das Konsortium sieht sich diskriminiert und stößt sich auch an "substanziellen Mängeln im Verkaufsverfahren".

Zunächst fließen nur
50 Millionen Euro


Bleibt es trotz des jetzigen Störfeuers beim Deal mit Advent/EBRD, erhält Österreich als Mindestkaufpreis für die Hypo-Banken in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro 50 Millionen Euro. Bis zu 150 Millionen könnte die Republik in weiterer Folge noch dazubekommen, allerdings hängt das vom Jahresergebnis 2014 und 2015 ab. Daneben birgt der Deal für die österreichischen Steuerzahler freilich etliche Risiken. So sind der Republik zum einen Haftungen von 1,7 Milliarden Euro umgehängt. Zum anderen werden Kreditlinien der Hypo für das Südosteuropa-Netzwerk - stolze 2,2 Milliarden Euro - in den kommenden Jahren nur bei entsprechendem Geschäftserfolg voll zurückgezahlt.

Österreich muss also noch zittern. Unabhängig davon würde der Staat von einer Nachbesserung allerdings profitieren, falls eine der Balkanbanken von den neuen Eigentümern mit Gewinn weiterverkauft werden sollte.

Geplant ist, dass Advent nach dem formalrechtlichen Abschluss des Kaufs 80 Prozent und die auf Osteuropa spezialisierte EBRD die restlichen 20 Prozent an der Bankengruppe halten. Diese hat eine Bilanzsumme von 8,4 Milliarden Euro, 245 Filialen, fast 4000 Mitarbeiter und 1,15 Millionen Kunden. Nach der Übernahme wollen Advent und EBRD das Privatkunden-, vor allem aber das Finanzierungsgeschäft für Mittelstandsfirmen ausbauen - insbesondere in den westlichen Balkanländern.

"Bad Bank" kann Erlös
in ihrer Bilanz verbuchen


Verkäuferin des Südosteuropa-Geschäfts ist die Heta, die aus der Hypo Ende Oktober hervorgegangene Abbaugesellschaft, die nach Vollzug des Deals auch von den Erlösen profitiert. Die Balkansparte war zuletzt zwar der Banken-ÖIAG Fimbag übertragen worden, diese hatte dann jedoch die Heta zum Verkauf ermächtigt. Das hatte folgenden Grund: Die staatliche Hypo-Abbaueinheit erspart sich so unmittelbar 1,3 Milliarden Euro an Abwicklungskosten, die sie ohne Verkauf in die Bilanz hätte einstellen müssen. Zudem fließt der Verkaufserlös in die Heta-Bilanz ein. Die Heta selbst arbeitet derzeit an einem Fahrplan für den Abbau ihrer Schulden, spätestens bis zur Jahresbilanz im März oder April 2015 soll er fertig sein.

Grund für das Hypo-Milliardendesaster war die wilde Expansion der Bank am Balkan, die Kärnten mit milliardenschweren Haftungen blindlings unterstützte. Dass mit dem Verkauf der Südosteuropa-Sparte nun der Weg für eine Insolvenz der Hypo-Nachfolgegesellschaft Heta frei wäre, wie Medien spekulieren, hat sich vorerst nicht bestätigt. Reuters zitierte einen Insider mit den Worten, eine Insolvenz sei kein Thema: "Das wird derzeit nicht diskutiert."