Strenger gestaltet wird künftig das Risikomanagement für Versicherungen. Damit will der Gesetzgeber die Versicherungskunden besser vor den Branchenrisiken schützen. - © fotolia/kebox
Strenger gestaltet wird künftig das Risikomanagement für Versicherungen. Damit will der Gesetzgeber die Versicherungskunden besser vor den Branchenrisiken schützen. - © fotolia/kebox

Wien. Der heimischen Versicherungsbranche stehen gravierende gesetzliche Änderungen ins Haus. Mit Inkrafttreten des Versicherungsaufsichtsgesetzes 2016 (VAG 2016) sollen die Versicherer nicht nur stärker unter Aufsicht gestellt werden, auch das Risikomanagement wird strenger gestaltet. Auf diese Weise will der Gesetzgeber die Versicherungskunden besser vor den Branchenrisiken schützen und so den Anforderungen der EU-Richtlinie Solvency II (EU-Richtlinie 2009/138/EG) entsprechen. Deren Ziel ist es, in allen Mitgliedstaaten eine einheitliche und grundlegende Neuausrichtung des Eigenmittel-Regimes und eine Änderung der aufsichtsrechtlichen Maßnahmen zu installieren.

In Österreich ist mit dem VAG 2016 die Einrichtung eines Governance-Systems geplant, ferner die Aufstellung einer zusätzlichen Bilanz für Solvenz-Zwecke, eine risikoorientierte Ermittlung der Eigenmittel-Ausstattung, und Maßnahmen zur Vermeidung künstlicher Volatilität. Als Aufsichtsorgan wird die Finanzmarktaufsicht (FMA) fungieren. Diese wird das Führungssystem von Versicherungen und ihre Fähigkeit, Risiken zu bewältigen, mit einem standardisierten Verfahren prüfen und allenfalls Kapitalaufschläge festsetzen. Da in der Versicherungsbranche immer häufiger zentral organisierte, internationale Unternehmensgruppen in Erscheinung treten, verstärkt die FMA zudem die Gruppenaufsicht. Umgesetzt werden muss die EU-Richtlinie bis 31. März 2015, ab Anfang 2016 sind die neuen Vorschriften verpflichtend anzuwenden.

Überraschend kommt das für die heimischen Versicherungen nicht. "Das Regelwerk Solvency II beschäftigt die europäische und österreichische Versicherungsindustrie seit vielen Jahren", sagt Dagmar Straif, Sprecherin des Versicherungsverbandes Österreich (VVO). "Im Zentrum der Überlegungen, wie das neue Regelwerk für Versicherer auszusehen hätte, stand der Sicherheitsaspekt - insbesondere im Sinne der Kunden." Das soll durch neue Eigenmittelvorschriften und die höheren Anforderungen an das interne Risikomanagement der Versicherer sichergestellt werden. Straif: "Die heimische Assekuranzen sind gut darauf vorbereitet."

Regulierungsflut


Wirklich glücklich ist die Branche mit so mancher Neuerung freilich nicht. So müssen Assekuranzen nun zusätzlich zu ihren Jahresabschlüssen unter anderem jährlich Auskunft über ihre Solvenz (Zahlungsfähigkeit) geben. Zudem werden Eigenmittelbedarf und Anforderungen für die Solvenz künftig risikoorientiert berechnet.