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Wien. (sf) Nicht immer entpuppt sich ein Investment als so lukrativ wie jenes von Sequoia Capital, die sich 1999 gemeinsam mit einer anderen Firma in einer frühen Phase mit 25 Millionen Dollar am späteren Suchmaschinengiganten Google beteiligten. Doch "die Investitionen mit den höchsten Erträgen sind die riskantesten. Viele innovative und riskante Projekte bekommen keine Bankfinanzierung", sagt der ehemalige IHS-Chef Christian Keuschnigg, Professor an der Universität St. Gallen. Hier kommen Venture Capitalists (Risikokapitalgeber) ins Spiel, die nicht nur Geld, sondern auch ihr Know-how und Netzwerk zur Verfügung stellen - doch solche Kapitalgeber sind in Österreich rar.

"Österreich ist ein Entwicklungsland, was Risikokapital angeht", so Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der staatlichen Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws), in einem Expertengespräch am Montag. Nach dem Anteil von Risikokapitalinvestments am Bruttoinlandsprodukt liege Österreich im internationalen Vergleich der OECD im hinteren Feld. Vorne zu finden sind Israel, die USA und Kanada.

Gründer gehen ins Ausland


Einige Gründer würden aufgrund der Regulierung ins Ausland gehen, so Keuschnigg. Auch der ehemalige Rewe-Vorstand Werner Wutscher, der selbst an Start-ups wie Kochabo beteiligt ist, beobachtet diese Entwicklung. Der Hauptgrund für die Gründung im Ausland sei laut einer Umfrage, dass viele Unternehmer hierzulande keine finanzielle Unterstützung erhalten. Es brauche mehr Anreize für Wagniskapitalgeber, sagt Wutscher. In Deutschland erhalten private Investoren beispielsweise Steuervorteile: Über einen Zuschuss für Wagniskapital erhalten Investoren 20 Prozent des Ausgabepreises zurückerstattet, wenn sie Geschäftsanteile um mindestens 10.000 Euro an jungen innovativen Unternehmen erwerben und die Beteiligung für mindestens drei Jahre halten.

Zu wenig Risikokultur


Neben Geld für junge, innovative Unternehmen fehlt es hierzulande auch an einer Risikokultur. Es sollte bereits in der Ausbildung vermittelt werden, dass Scheitern dazugehört, sagt Matthew Rhodes-Kropf, Professor an der Harvard Business School. "85 Prozent der Erträge kommen von zehn Prozent der Investments, jedes zweite mit Risikokapital unterstützte Unternehmen scheitert", sagt der Start-up-Experte.

Viele Gründer wollen laut Wutscher keine Anteile an ihrem Unternehmen abgeben. Doch selbst wenn es teurer und mit mehr Kontrolle verbunden ist als ein Bankkredit, sei Wagniskapital für die Firmen besser als gar keine Finanzierung, so Keuschnigg. Wagniskapitalgeber stellen meist Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Instrumente wie Wanderschuldverschreibungen zur Verfügung. Mehr Eigenkapital und das Engagement eines professionellen Investors würde Firmen meist zusätzliche Finanzierung mit Bankkrediten ermöglichen.

Zugang zu Kapital hängt auch vom Ort ab, betonte Rhodes-Kropf: "Mark Zuckerberg musste nach Kalifornien gehen, um Geld für Facebook zu bekommen."

Crowdfunding als Alternative zu Bankkrediten würde sich hingegen nur für wenige Firmen eignen. Mit Crowdfunding werde eine toll klingende Idee verkauft, aber kein Geschäftsmodell.