Wien. Für die meisten heimischen Banken stellen Fremdwährungskredite in Schweizer Franken in ihren Ostmärkten vorerst kein Risiko dar. Das liegt einerseits daran, dass die Geldinstitute in Zentral-, Süd- und Osteuropa (CEE) verhältnismäßig weniger Kredite in Schweizer Franken vergeben haben - ganz anders in Österreich.

Zum anderen liegt das an Ungarn. Dort ist vergangenes Jahr - vor der Freigabe des Schweizer Franken durch die Schweizer Nationalbank - ein umstrittenes Fremdwährungskreditgesetz in Kraft getreten. Alle Fremdwährungskredite mussten in Forint umgerechnet werden, zu einem weit günstigeren Wechselkurs für die Kreditnehmer. Die heimischen, in Ungarn tätigen Banken, haben die Verluste rund um das Umrechnen der Fremdwährungskredite schon im Vorjahr abgeschrieben. Somit müssen Raiffeisen Bank International (RBI), Erste Group und Bank Austria dort heuer keine Verluste in Zusammenhang mit Franken-Krediten fürchten.

Politische Unsicherheit


Heimische Banken haben im gesamten CEE-Raum offene Frankenkredite in Höhe von 13,6 Milliarden Euro vergeben. Zum Vergleich: Allein in Österreich sind es knapp 30 Milliarden Euro. Damit ist das Land EU-Spitzenreiter bei Franken-Krediten. Die Ratingagentur Moody’s schätzt das Franken-Fremdwährungskreditvolumen jener drei großen heimischen Banken, die am stärksten in Osteuropa vertreten sind, auf insgesamt 26,6 Milliarden Euro. Auf die Bank Austria entfallen 12,4 Milliarden, auf die Erste 9,9 Milliarden und auf die RBI 4,3 Milliarden. Der Großteil der Kredite wurde aber in Österreich vergeben.

"Die Frankenkredite machen im CEE-Raum nur 1,5 Prozent unseres Kreditvolumens aus", sagt Gianni Franco Papa, scheidender Osteuropa-Chef der Bank Austria, vor Journalisten. In Zahlen sind das 1,3 Milliarden bei einem Kreditvolumen von insgesamt 83 Milliarden Euro. Die RBI hat 3,61 Milliarden Euro an Franken-Krediten in Osteuropa vergeben, wobei 2,9 Milliarden allein auf Polen entfallen. Nach den Abschreibungen in Ungarn hat die Erste Group nur noch in Kroatien Franken-Kredite in der Höhe von 600 Millionen Euro.

Alle drei Geldinstitute rechnen derzeit nicht mit großen Auswirkungen der Franken-Aufwertung auf ihr Geschäft. Der Großteil der Fremdwährungskredite in CEE wurde nämlich in Euro vergeben. Trotzdem könnte die Aufwertung in der Region zu einer leichten Erhöhung der Kreditausfälle führen, meint Papa.

Einige Staaten, die insgesamt ein größeres Volumen an Franken-Krediten aufweisen, denken über konkrete politische Maßnahmen nach. Polen habe Beratungsgespräche mit Ungarn aufgenommen, das letztes Jahr das umstrittene Fremdwährungsgesetz verabschiedet hat. In Polen haben etwa 560.000 Menschen einen Franken-Kredit, der jetzt im Zuge der Aufwertung um ein Vielfaches teurer wurde.

Und auch Kroatien hat schon erste Maßnahmen ergriffen. Derzeit liegt ein Gesetzesentwurf auf dem Tisch, der die kroatische Kuna an den Franken bindet. Per Regierungsbeschluss soll der Kurs mit 6,39 Kuna je Franken zumindest bis Jahresende eingefroren werden. Das kommt den Kreditnehmern entgegen, denn die Kursunterschiede werden von den Geldinstituten getragen. Die RBI könnte dieser Regierungsbeschluss internen Berechnungen zufolge vier Millionen kosten.

"Wir hoffen, dass wir hier eine gute Lösung finden", sagt Papa in Zusammenhang mit den politischen Vorhaben einiger Länder. Denn Maßnahen wie in Ungarn möchte derzeit keine Bank befürchten müssen.

Den Osten gibt es nicht mehr


"Wir können nicht mehr von dem einen CEE-Raum sprechen. Die Region ist sehr divers", sagt Carmelina Carluzzo, Osteuropa-Finanzexpertin der Unicredit. Länder wie Tschechien, Polen und die Slowakei weisen beispielsweise gute Wachstumsraten auf und der private Konsum steigt. Die Ukraine und Russland hingegen bleiben wegen der geopolitischen Konflikte und des schwachen Rubels Sorgenkinder. Die Unicredit rechnet in der Ukraine für 2015 mit einer Kreditausfallsrate von mehr als 30 Prozent.

Die Erste Group erwartet für Polen - das Land mit dem größten Wirtschaftswachstum - ein BIP-Zuwachs von 3,1 Prozent im kommenden Jahr. Die Länder Zentraleuropas haben von der Nähe zu den Euro-Ländern und dem EU-Beitritt profitiert. Nicht ganz so stark entwickeln sich die Märkte am Balkan. Dort müssen die Banken mit vergleichsweise höheren Kreditausfallsraten, geringerem Wachstum und einer schwachen Kaufkraft kämpfen.