Wien. So wie andere hiesige Banken hat auch die Hypo Alpe Adria in den "Goldgräberzeiten" vor der Finanzkrise Franken-Kredite vergeben. Hier war sie vor allem in den Balkanländern im großen Stil aktiv. Mit dem jüngsten Höhenflug der Schweizer Währung drohen diese Darlehen in stärkerem Ausmaß notleidend und zu einem teuren Bumerang zu werden. Den Schaden hätte der österreichische Steuerzahler.

Konkrete Zahlen zum Volumen der Franken-Kredite hat die Heta, die Nachfolgesellschaft der Hypo, am Mittwoch nicht genannt. Insider sagen jedoch: "Für die Hypo-Balkanbanken ist das schon ein größeres Thema."

Zwar ist das Südosteuropa-Geschäft mittlerweile verkauft. Für bestimmte Risiken haftet aber die Republik. Die beiden Käufer, der US-Fonds Advent und die Osteuropa-Bank EBRD, können hier auf eine vertraglich zugesicherte Gewährleistung in Höhe von 1,7 Milliarden Euro pochen. Davon sind für den Fall des Falles auch alle aushaftenden Franken-Kredite erfasst. Für Verluste muss die Republik geradestehen. Konkret würde von den 2,2 Milliarden Euro, die als Finanzierungslinien noch in den Balkanbanken drin sind, entsprechend weniger Geld nach Österreich zurückfließen.

Akute Verlustgefahr


Die Gefahr höherer Verluste ist jedenfalls groß. Denn ähnlich wie in Ungarn könnten die Regierungen der Balkanländer nach der extremen Franken-Aufwertung zu außerordentlichen Maßnahmen greifen, um die sprunghaft angestiegene Schuldenlast der Kreditnehmer zu verringern.

Den Anfang hat vor zwei Tagen Kroatien gemacht. Dort ist für die Zeit bis zum Jahresende ein Fixkurs zum Franken festgelegt worden, wobei der Bankensektor die für ihn nachteilige Kursdifferenz schlucken muss.

Abseits bereits bestehender und noch drohender nationaler Sondermaßnahmen haben die Hypo-Balkanbanken aber auch etliche Klagen von Franken-Kreditnehmern, die sich falsch oder unzureichend beraten fühlen, am Hals - und das seit Jahren. Inklusive Sammelklagen werden vor Gericht in Summe mehrere hundert Rechtsstreitigkeiten ausgefochten. In Bosnien-Herzegowina waren es zuletzt dem Vernehmen nach 722, in Serbien 122, in Montenegro vier und in Kroatien 22.

Detail am Rande: In Kroatien ist bereits ein Urteil zu Gunsten von Kreditnehmern ergangen. Dagegen hat die dortige Hypo-Bank berufen. Der Fall liegt jetzt beim Obersten Gerichtshof.

Neben den Hypo-Balkanbanken ist auch die staatliche Hypo-Abbaufirma Heta vom Franken-Problem betroffen. In welchem Ausmaß, sagt ihre Pressestelle allerdings nicht. Nur soviel: "Es wird davon ausgegangen, dass der Anteil der in Schweizer Franken vergebenen problembehafteten Kundenforderung durch die Kursanpassung des Franken weiter ansteigen wird. Dies wird soeben im Kontext der Erstellung des Jahresabschlusses ermittelt."

Die Heta soll aber auch vier bis fünf Franken-Anleihen "draußen" haben - im Gesamtvolumen von ein paar hundert Millionen Euro. Die Pressestelle bestätigt nur, dass es Franken-Anleihen gibt, betont aber, dass "den noch anstehenden Refinanzierungen in Franken weitestgehend Franken-Forderungen gegenüberstehen".

Keine faulen Eier?


Aber nicht nur die Hypo Alpe Adria, auch die Kommunalkredit, eine ebenfalls verstaatlichte Krisenbank, hat einst auf das scheinbar risikolose Geschäft mit Franken-Krediten gesetzt. Das Geldinstitut ist seit 2009 zweigeteilt. Für die Kernbank Kommunalkredit Austria, beziffert Vorstandschef Alois Steinbichler das Franken-Obligo auf rund 200 Millionen Euro, wobei er Gemeinden und Unternehmen als Kreditnehmer nennt. Bei der Abbaugesellschaft KA Finanz, wo er ebenfalls das Zepter führt, sind es laut seinen Angaben rund 50 Millionen Euro, ausschließlich an Schweizer Kreditkunden vergeben. Steinbichlers Gesamtfazit: "Das Franken-Problem ist eine relevante Sache, belastet uns aber nicht."

Schwenk zurück zur Hypo, zu einer anderen Causa: Wie die Tageszeitung "Die Presse" unter Berufung auf ein internes Papier der Nationalbank berichtet, wäre eine Insolvenz der Bank zum Zeitpunkt ihrer Verstaatlichung (Ende 2009) andere heimische Banken mit 4,9 Milliarden Euro weit teurer gekommen als bisher bekannt. Drei Landeshypos hätten eine sofortige Rekapitalisierung gebraucht. Vor allem sei auch die damalige Hypo-Mutter BayernLB gar nicht in der Lage gewesen, ihre Drohung einer Hypo-Insolvenz wahr zu machen. Sie hätte im Fall einer Pleite 6,1 Milliarden Euro verloren.