Wien. (sf) "Keine großen Sprünge" seien im Einzelhandel zu machen, sagt Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria. Während sich die Ladengeschäfte zwar stabil, aber nicht dynamisch entwickeln, legte der heimische Online-Einzelhandel im Vorjahr um sieben Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. Das entspricht fünf Prozent des Branchenumsatzes. Allerdings kaufen die Österreicher um weitere drei Millionen Euro bei ausländischen Onlineshops ein.

Der Nettoumsatz im Einzelhandel sank im Vorjahr inflationsbereinigt um 0,5 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro. Daran konnte auch ein Umsatzplus von 0,5 Prozent im Weihnachtsgeschäft auf 1,617 Milliarden Euro (inklusive Onlinehandel) nichts ändern.

Das höchste Umsatzplus erzielte der Kosmetikhandel. Die Österreicher gönnen sich laut Handels-Spartenobfrau Bettina Lorentschitsch "den kleinen Luxus". Aber auch größere Anschaffungen machen in Zeiten von niedrigen Zinsen Sinn: Daher konnten auch der Uhren-, Schmuck- und der Elektrohandel zulegen.

Der größte Verlierer war der Sportartikelhandel, dem auch das Wetter nicht mitspielte. Ein Minus gab es auch im Möbelhandel, im Bau- und Heimwerkerbedarf und im Lebensmittelhandel. "Der Spielwaren- und der Buchhandel erholen sich gerade von einer schlechteren Entwicklung in den letzten Jahren", so Gittenberger.

Die Verkaufspreise stiegen im Vorjahr um 0,9 Prozent und lagen unter der Inflationsrate von 1,7 Prozent. Preisrückgänge gab es vor allem im Elektro-, Bekleidungs- und Kosmetikhandel.

Fast jeder zweite in Teilzeit


Lorentschitsch geht für 2015 von einer stabilen Entwicklung im Handel aus mit einer realen Umsatzentwicklung an der Nulllinie, "vielleicht mit einem kleinen Plus". 65 Prozent der Einzelhändler erwarten laut Umfrage der KMU Forschung für die nächsten Monate eine stabile Geschäftsentwicklung. 25 Prozent rechnen mit einer Verbesserung und zehn Prozent mit einer Verschlechterung. Optimistisch sein können vor allem grenznahe Regionen im Westen. "Vorarlberg wird relativ stark vom hohen Frankenkurs profitieren", so Lorentschitsch.

Die Zahl der Mitarbeiter im Einzelhandel stieg 2014 um 1,3 Prozent auf 326.100 (inklusive geringfügig Beschäftigter). Fast jeder zweite Arbeitnehmer - 46 Prozent - arbeitet in Teilzeit.

Der österreichische Einzelhandel hat sich von Jänner bis November 2014 schlechter entwickelt als der EU-Durchschnitt. Allerdings ist die Ausgangsbasis laut Gittenberger eine andere: Der Einzelhandelsumsatz in Österreich sei seit 2004 real stärker gestiegen als in Deutschland oder im Euroraum.