Wien. (kle) Seit Juni 2014 hat sich der Ölpreis deutlich mehr als halbiert. Kostete ein Fass der Ölsorte Brent vor sieben Monaten gut 117 Dollar, sind es jetzt nur noch rund 49 Dollar. Der starke Preisrutsch zwingt die Ölbranche, angesichts schrumpfender Erträge den Sparstift zu zücken. Auch die teilstaatliche OMV sieht sich gezwungen zu handeln. Bei seinen bisherigen Investitions- und Förderzielen hat der österreichische Öl- und Gaskonzern nun deutliche Abstriche gemacht.

Statt der geplanten 3,9 Milliarden Euro pro Jahr sollen von 2015 bis 2017 jährlich nur 2,5 bis drei Milliarden Euro in den Ausbau des Geschäfts gesteckt werden, teilte die OMV am Donnerstag mit. Damit rückt auch das vom scheidenden Konzernchef Gerhard Roiss ausgegebene Ziel einer Öl- und Gasförderung von 400.000 Barrel pro Tag in die Ferne. Wie es in einer Aussendung weiter hieß, werde diese Marke nun nicht wie geplant 2016, sondern erst später erreicht.

Dass der Konzern sein Produktionsziel zeitlich nach hinten verschiebt, hat auch mit Lieferausfällen in den krisengebeutelten Ländern Libyen und Jemen zu tun. Allein aus Libyen hatte die OMV in Friedenszeiten rund ein Zehntel ihres Öls bezogen.

Abschreibungen von
700 Millionen Euro

Eine rasche Erholung des Ölpreises sieht Roiss nicht. "Das vierte Quartal 2014 war extrem schwierig, aber der Ausblick für 2015 ist noch härter." Vor diesem Hintergrund stellt die OMV vor allem kleinere Entwicklungsprojekte sowie Öl- und Gasfelder in Österreich und Rumänien auf den Prüfstand. An Großprojekten will der Konzern jedoch festhalten. Um an Geld zu kommen, erwägt das Unternehmen auch den Verkauf von Teilen des Gasgeschäfts.

An der Wiener Börse gab der Aktienkurs der OMV am Donnerstag deutlich nach - bis zum Handelsschluss mehr als zwei Prozent (siehe Grafik). Für Nervosität unter den Anlegern sorgte auch die Nachricht, dass der Konzern im abgelaufenen Quartal Wertberichtigungen und Rückstellungen im Ausmaß von 700 Millionen Euro vornehmen musste. Diese betreffen vor allem das türkische Tankstellengeschäft und das Gaskraftwerk Brazi der Rumänien-Tochter Petrom.

Die Abschreibung auf das unter der Marke Petrol Ofisi firmierende Tankstellengeschäft in der Türkei begründet die OMV mit regulatorischen Eingriffen und allgemein höheren Risiken in dem Land. Für den Fall, dass der Ölpreis längerfristig auf dem aktuellen Niveau von rund 50 Dollar je Fass verharrt, schließt Roiss weitere Abschreibungen im Konzern nicht aus.

Produktion im vierten
Quartal etwas höher

Die jüngsten Wertberichtigungen und Rückstellungen werden jedenfalls das Jahresergebnis 2014 stark belasten. Ihre vorläufigen Geschäftszahlen gibt die OMV am 19. Februar bekannt. In den ersten drei Quartalen 2014 hatte der Konzern vor Zinsen und Steuern einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro verbucht.

Einziger Lichtblick war zuletzt die gegen Jahresende wieder gestiegene Öl- und Gasproduktion: Im Schlussquartal 2014 legte sie dank zweier zusätzlicher Bohrungen in Norwegen (Feld Gudrun) gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozent auf 318.000 Barrel pro Tag zu. Im Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen stiegen die entsprechenden Referenzmargen im selben Zeitraum von 4,90 auf 5,19 Dollar je Barrel.

Mit ihren am Donnerstag angekündigten Investitionskürzungen steht die OMV in ihrer Branche nicht alleine da. Der rasante Fall der Ölpreise zwingt auch die niederländische Royal Dutch Shell zu tiefen Einschnitten. Europas Branchen-Primus gab am Donnerstag milliardenschwere Kürzungen bekannt - vor allem bei der Förderung von Öl und Gas. Shell will in den nächsten drei Jahren 15 Milliarden Dollar weniger investieren.

Selbst Gazprom schließt
Kürzungen nicht aus

Shell will bestimmte Projekte verschieben oder komplett begraben. "Wir fahren einen vorsichtigen Ansatz, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht überreagieren", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Shell-Chef Ben van Beurden. Zumal der Ölpreis nach Einschätzung des Opec-Generalsekretärs Abdullah Al-Badri bald wieder steigen könnte (OMV-Chef Roiss geht davon - wie oben erwähnt - nicht aus).

Auch der britische Energiekonzern BP hat wegen der fallenden Preise seine Sparanstrengungen verschärft. Nach einem Stellenabbau will das dortige Management nun die Gehälter für 2015 einfrieren. Ebenso kündigte Rivale ConocoPhillips nach einem Quartalsverlust Sparmaßnahmen an.

Die Verwerfungen am Ölmarkt könnten schon bald auch die Gasbranche in Mitleidenschaft ziehen: Am Donnerstag schloss die russische Gazprom nicht aus, Investitionen zurückzufahren, sollte der Ölpreisverfall demnächst auf die Gaspreise durchschlagen.

Der Grund für den seit Langem nicht mehr so niedrigen Ölpreis ist ein Überangebot des wichtigen Rohstoffs durch die zögerliche Erholung der Weltwirtschaft sowie den Boom von US-Schiefergas. Mit dem Preisverfall sinken die Erträge der Ölfirmen, denen dann weniger Geld für die Erschließung und Ausbeutung von Öl- und Gasquellen zur Verfügung steht.