Wien/München. (kle) Der Technologie-Riese Siemens greift wieder einmal zum Sparstift. Um seinen im Mai 2014 gestarteten Konzernumbau abzuschließen, womit die Kosten um eine Milliarde Euro gesenkt werden sollen, streicht das Münchner Unternehmen weltweit rund 7800 Jobs, davon zirka 3300 allein in Deutschland. Nach den Plänen von Vorstandschef Joe Kaeser sollen vor allem Verwaltungsstellen gekappt werden.

Siemens Österreich - mit rund drei Milliarden Euro Umsatz eine der wichtigsten Ländergesellschaften im Konzern - dürfte bei dem Personalabbau mit einem blauen Auge davonkommen. Wenn, dann werde er sich "nur gering" auf die Mitarbeiterzahl auswirken, so ein Sprecher. Denn in Österreich sei die neue weltweite Organisationsstruktur von Siemens bereits umgesetzt.

Aus diesem Grund geht Österreich-Chef Wolfgang Hesoun sogar davon aus, dass es zu keinem Personalabbau kommen wird. "Ich sehe hierzulande keine Indizien dafür", sagte Hesoun am Freitag zu "derStandard.at".

Indes will der Zentralbetriebsratschef von Siemens Österreich, Friedrich Hagl, noch keine Entwarnung geben: "Derzeit ist alles Kaffesudlesen." Über den Stellenabbau im Konzern würden nämlich erst nach Ostern Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt. "Siemens Österreich hat aber sicher keinen Speckgürtel", sagte Hagl.

Verlorener Bim-Großauftrag
könnte Folgen haben

Gewisser Druck lastet jedoch auf dem Firmenstandort in Wien-Simmering. Der dortige Betriebsratschef, Franz Schuh, sieht das jedenfalls so, nachdem Siemens einen 562 Millionen Euro schweren Auftrag für die neue Wiener Straßenbahngeneration gegen Bombardier verloren hat. "Das ist ein Megabrocken an Fertigungsstunden, der da wegbricht", sagte Schuh erst vor Kurzem, als das Verwaltungsgericht einen Einspruch von Siemens gegen die Auftragsvergabe abgeschmettert hatte. In Mannstärke umgerecht, seien rund 100 von 1500 mit Arbeiten rund um den ULF beschäftigt.

Dieses Niederflurmodell liefert Siemens seit den 1990er-Jahren an die Wiener Linien (siehe untenstehendes Bild). 45 Züge aus der letzten Bestellung stehen noch aus, sie sollen bis Ende 2017 geliefert werden. Dann folgt die "Flexity"-Flotte des kanadischen Siemens-Rivalen Bombardier. Die erwartbaren Ausfälle ab 2018 "müssen wir durch andere Aufträge wettmachen", so Schuh. "Aber wenn man die Aufträge in der eigenen Stadt nicht absichern kann, gibt es natürlich schon einen gewissen Erklärungsbedarf gegenüber der Zentrale in Deutschland." Zumal in den vergangenen Jahren 49 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts investiert worden seien.

In Österreich hat Siemens derzeit insgesamt rund 10.400 Mitarbeiter. An der Österreich-Gesellschaft hängt auch das Geschäft in Zentral- und Osteuropa (CEE). Die dortigen Firmen - Siemens ist in 18 CEE-Ländern tätig - werden von Wien aus gesteuert und beschäftigen in Summe rund 8500 Mitarbeiter. Ob in Osteuropa Einschnitte geplant sind, ist so wie in Österreich ebenfalls noch unklar.

Drei deutsche Standorte
tragen die Hauptlast


Bereits fix ist aber, dass die drei deutschen Siemens-Standorte Erlangen, München und Nürnberg die Hauptlast des Personalabbaus tragen. In Erlangen sollen 900 Arbeitsplätze wegfallen, in der Konzernzentrale in München 500 und in Nürnberg 300 Stellen. Zudem sollen an verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen hunderte Jobs eingespart werden.

Wie die neue Siemens-Personalchefin Janina Kugel am Freitag betonte, wolle man gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern nach sozialverträglichen Lösungen suchen. In der Tat sind Kündigungen bei Siemens selten. Zumeist erreicht das Management seine Ziele mit Abfindungen oder Ruhestandsregelungen.

Der jetzige Personalabbau geht bei Siemens Hand in Hand mit dem größten Konzernumbau seit 25 Jahren. Die IG Metall kritisierte, dass die "Umstrukturierung wie so oft mit Personalreduzierungen einhergeht". Mit seinen Plänen will Konzernchef Kaeser den Elektro-Riesen verschlanken und fitter für den Wettbewerb machen. Die Einsparungen - eine Milliarde Euro - will er in Innovationen, eine höhere Produktivität und Wachstum investieren.