Wien. (ede) In Österreich verdienen zwei von hundert Beschäftigten ihren Lebensunterhalt mit Leiharbeit. Obwohl sich ihre Situation mit der Einführung des Arbeitskräfteüberlassungsgesetzes (AÜG) seit Jänner 2013 deutlich verbessert hat, ist noch nicht alles eitel Wonne.

"Leiharbeit bedeutet ständige Unsicherheit", sagte der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Josef Kalliauer, am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien. Laut aktuellem Arbeitsklimaindex halten 44 Prozent der "Überlassenen" ihren Job für wenig bis gar nicht sicher. Bei den übrigen Beschäftigten sind es nur 13 Prozent. Zudem reicht für rund 80 Prozent der Leiharbeiter das Einkommen gerade noch oder gar nicht aus, um über die Runden zu kommen. Bei den konventionell Beschäftigten sieht es besser aus: 55 Prozent kommen mit dem Einkommen knapp oder gar nicht aus.

"Der Anteil von Leiharbeitskräften in den Betrieben soll mit 10 Prozent begrenzt werden", verlangt Kalliauer. In manchen Unternehmen gebe es bereits entsprechende Betriebsvereinbarungen. Die Forderung nach einer Quote ist nicht neu, ebenso wie der Wunsch, dass Zeitarbeiter nach einer Überlassungsdauer von sechs Monaten einen Anspruch auf Übernahme in das Stammpersonal haben sollen. Die Arbeitgebervertreter haben schon abgewunken.

Dass Firmen dank Zeitarbeit bei Auftragsspitzen flexibel reagieren könnten, sei in Ordnung, aber wenn Unternehmen Leiharbeiter "über acht, neun, zehn Jahre" beschäftigten, frage er sich doch: "Wo ist da der Zweck der Übung?" Österreich habe europaweit eine vergleichsweise gute Absicherung von Leiharbeitern, doch die ständigen Bemühungen vieler, fix übernommen zu werden, üben einen hohen Druck aus und erschweren die Lebensplanung. Ob es besser ist, sich als Leiharbeiter zu verdingen oder arbeitslos zu sein, ist eine berechtigte Frage. Kalliauer sieht überlassene Arbeitskräfte in der Mitte zwischen Arbeitslosen und fix Angestellten positioniert - alles andere als ein optimaler Zustand.

Immer mehr Mitarbeiter
auf Zeit


Im Jahr 1997 werkten in Österreich 20.000 Leiharbeiter, 2012 waren es rund 78.000, Mitte 2014 schon über 80.000. Laut Sozialministerium wurden von Juli 2013 bis Juni 2014 insgesamt 146.972 Personen für mindestens einen Tag als Arbeitskräfte überlassen. Laut Statistik vom Jänner 2015 verzeichnete der Bereich Arbeitskräfteüberlasser mit 14,4 Prozent den höchsten Anstieg bei der Zahl der Arbeitslosen, die über alle Branchen (ohne Schulungsteilnehmer) um 9,8 Prozent stieg.