Wien. Beim Öl- und Gasfelddienstleister Catoil tobt ein wilder Aktionärsstreit. Nach einer als feindlich eingestuften Übernahme der börsenotierten Wiener Firma liegt der französische Mehrheitseigentümer Maurice Dijols mit der langjährigen deutschen Großaktionärin Anna Brinkmann im Clinch. Ein Ende des Rechtsstreits ist derzeit nicht absehbar.

An Catoil hält Dijols seit Mitte Jänner gut 87 Prozent der Anteile. Mehrheitlich eingestiegen war er im Herbst 2014 zunächst bei deren größtem Aktionär, der Catoil-Holding, an der auch Brinkmann über mehrere Firmen beteiligt ist - mit 49,75 Prozent. Dijols’ dortiger Einstieg löste ein Pflichtangebot an die Catoil-Streubesitzaktionäre aus, mit dem der Franzose dann weitere Anteile an dem seit 2006 in Frankfurt gelisteten Unternehmen erwarb.

Die Übernahme hat Brinkmann, die an Catoil bis vor kurzem noch elf Prozent direkt hielt, von Anfang an als feindlich klassifiziert. Im Dezember legte sie ihr Mandat als Catoil-Vorstand zurück. Auch die anderen drei Vorstände haben unter Protest gegen die Übernahme gekündigt (per 31. März 2015).

Komplexes Firmengeflecht

Der Streit zwischen Dijols, einem ehemaligen Russland-Manager des weltgrößten Ölfeldservicekonzerns Schlumberger, und Brinkmann hat hochkomplexe Hintergründe, die vor allem mit der verschachtelten Firmenkonstruktion, an der Catoil hängt, zu tun haben. Der Franzose möchte Brinkmann aus der auf Zypern ansässigen Catoil-Holding offenbar draußen haben und hat deshalb auf dem Klagsweg ihren "Besitz" angezweifelt.

Indes hat Brinkmann Catoil am Dienstag darüber informiert, dass das Bezirksgericht Limassol (Zypern) nun eine einstweilige Verfügung gegen die Catoil-Holding erlassen habe. Diese verbiete demnach "jedwede Übertragung, Verpfändung, Zweckentfremdung und Verfügung von Vermögenswerten" der Holding - einschließlich der von ihr gehaltenen 23,3 Millionen Catoil-Aktien. Nach Einschätzung von Catoil sind jedoch die mit diesen Aktien verbundenen Stimmrechte der Catoil-Holding von der jetzigen gerichtlichen Verfügung nicht betroffen.

Dijols kontrolliert die Catoil AG indirekt über eine Firma namens Joma, ein Beteiligungsvehikel, das seinen Sitz auf den britischen Jungferninseln hat. Wer wirklich hinter Joma steht, ist bis jetzt immer noch unklar. Die Jungferninseln gelten als Steuerparadies mit vielen Briefkastenfirmen.

Catoil, 1991 gegründet, ist ausschließlich in Russland und Kasachstan tätig. Zum Kundenkreis gehören prominente Öl- und Gasproduzenten wie Gazprom, Lukoil, Rosneft oder Russneft, denen spezielles Equipment für ihre Aktivitäten bereitgestellt wird. Catoil hat 2920 Mitarbeiter (die meisten davon in Russland). Der Umsatz beträgt 427 Millionen Euro.

Dijols, der zu seinem Streit mit Brinkmann schweigt, will mit Catoil expandieren. Geplant ist, russischen Firmen zu folgen - etwa in den Irak, wo Lukoil derzeit nach Öl bohrt. Der niedrige Ölpreis treffe Catoil nicht, denn die Konzerne würden nicht die Produktion einstellen, sondern nur die Suche nach neuen Quellen zurückfahren. Auch von den Russland-Sanktionen sei Catoil nicht betroffen, so Dijols, der demnächst neue Vorstände bestellen und den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen will. Wie er unlängst in Wien sagte, sei er auch wegen des Verfalls der russischen Währung nicht in Sorge: "Alle unsere Umsätze und Kosten sind in Rubel."