Wien. Das heftige Crashen der Ölpreise, hohe Abschreibungen und Lieferausfälle im Krisenland Libyen haben der OMV die Bilanz verhagelt. Unter dem Strich verdiente der börsenotierte Öl- und Gaskonzern 2014 mit 613 Millionen Euro um fast zwei Drittel weniger als im Jahr davor.

Um die Aktionäre bei der Stange zu halten, will das Wiener Unternehmen trotzdem eine unveränderte Dividende von 1,25 Euro je Aktie zahlen. Insgesamt sollen knapp 408 Millionen ausgeschüttet werden, wovon die Staatsholding ÖIAG als größte OMV-Gesellschafterin (31,5 Prozent) gut 128 Millionen kassiert.

Ob die Dividende auf dem jetzigen Niveau gehalten werden kann, ist jedoch fraglich. Bei der Bilanzvorlage am Donnerstag sprach die OMV von einer Herausforderung, zumal auch 2015 alles andere als ein einfaches Jahr werde.

Für den Ölpreis rechnet Konzernchef Gerhard Roiss jedenfalls nicht mit einem baldigen starken Anstieg: "Der Preis wird noch einige Zeit niedrig bleiben." Von der Preisentwicklung sei auch abhängig, wann die OMV ihr Produktionsziel von 400.000 Fass pro Tag erreichen könne.

Konzern sieht Ölpreis
heuer bei 50 bis 60 Dollar

Aktuell liegt der Preis für die Ölsorte Brent bei rund 59 Dollar je Barrel (159 Liter). Für das laufende Jahr stellt sich die OMV auf einen Ölpreis von 50 bis 60 Dollar ein. Um in diesem Umfeld profitabel zu bleiben, will Roiss "jeden Euro dreimal umdrehen, bevor wir ihn ausgeben".

Innerhalb der Branche steht der OMV-Boss mit dieser Devise nicht alleine da. Auch Konzerne wie BP, Royal Dutch Shell oder Exxon Mobil bremsen nun bei den Kosten, indem sie vor allem ihre Investitionsprogramme zurückfahren. Der tief gefallene Ölpreis schmälert ihre Erträge, wodurch ihnen weniger Geld für das Erschließen und Ausbeuten von Öl- und Gasquellen zur Verfügung steht.

Die OMV hat bereits im Jänner reagiert und ihren Ausgabenplan für den Ausbau des Geschäfts um bis zu 35 Prozent gestutzt. Statt 3,9 Milliarden Euro pro Jahr will der Energiekonzern bis 2017 jährlich nur noch 2,5 bis drei Milliarden Euro investieren.

Sein ursprünglich für 2016 angestrebtes Förderziel - die bereits erwähnten 400.000 Fass pro Tag - ist damit freilich in weite Ferne gerückt. Am Ziel selbst hält die OMV aber fest. Ob bestimmte Entwicklungsprojekte "ein bis zwei Jahre länger dauern oder nicht, ist sekundär", betont Roiss.

Neben den Investitionskürzungen will die OMV aber auch andere Bereiche für mögliche Einsparungen unter die Lupe nehmen. Roiss: "Wir sehen uns alle Kostenstellen an."

Für ihre heurige Öl- und Gasproduktion geht die OMV von einer Bandbreite von 300.000 bis 340.000 Barrel pro Tag aus. Im abgelaufenen Jahr stieg die Produktion trotz der Lieferausfälle in Libyen um acht Prozent auf 309.000 Barrel pro Tag.

Produktion in Libyen
steht wieder still

Libyen, wo die OMV in Friedenszeiten ungefähr ein Zehntel ihres Öls fördert, hat 2014 insgesamt nur ein Viertel seiner Kapazität produziert. Eine höhere Produktion in Norwegen - 2013 waren für rund zwei Milliarden Euro Öl- und Gasfelder in der Nordsee zugekauft worden - konnte dies zwar abfedern. Dort aber sind die Kosten höher als in dem nordafrikanischen Land, in dem die Produktion derzeit wieder stillsteht.

Den relativ teuren Zukauf in Norwegen verteidigt Roiss. Diese Entscheidung sei richtig gewesen, daran ändere auch der aktuell niedrige Ölpreis nichts. "Die Strategie ist langfristig", so Roiss. Öl sei ein global nachgefragtes Produkt, und die Nachfrage werde weiter wachsen. In Norwegen lag die gemeinsame Produktion der Felder Gudrun und Gulfaks im Vorjahr bei 35.000 Barrel pro Tag. Für heuer erwartet Roiss dort weitere Steigerungen, weil bei Gudrun zusätzliche Bohrungen dazukommen.

Als wichtiges Standbein sieht die OMV auch ihre Downstream-Sparte, in der seit Jänner das Raffinerie- und Tankstellengeschäft sowie der Gasvertrieb gebündelt sind. Dort, so heißt es, soll der für die Dividendenzahlungen wichtige Cash-Flow erzielt werden. Im vierten Quartal 2014 fiel in diesen organisatorisch nun zusammengeführten Sparten jedoch eine Sonderbelastung von rund 700 Millionen Euro an - vor allem Abschreibungen auf das türkische Tankstellengeschäft und auf das zur rumänischen Tochter Petrom gehörende Gaskraftwerk Brazi.

Neubesetzung des
Chefpostens noch offen

Für Roiss war die Bilanzpressekonferenz am Donnerstag seine letzte. Nach heftigen Querelen im Vorstand, die im vergangenen Jahr publik wurden, soll der langjährige OMV-Chef zur Jahresmitte vorzeitig abgelöst werden (die "Wiener Zeitung" berichtete).

Die Suche nach einem Nachfolger läuft noch. Als Top-Kandidaten für den Chefposten haben Medien Wintershall-Vorstand Bernhard Schmidt genannt. Als seine Konkurrenten werden Ruhrgas-Spitzenmanager Peter Reichetseder und der frühere Wien-Energie-Chef Mark Hall gehandelt.