Umfassende Vorbereitung bewerten die befragten Aufsichtsräte als wichtigstes Kriterium für ihre Kontrolleursarbeit. - © fotolia/mariakraynova
Umfassende Vorbereitung bewerten die befragten Aufsichtsräte als wichtigstes Kriterium für ihre Kontrolleursarbeit. - © fotolia/mariakraynova

Wien. Vorstände sind der Ansicht, dass der Aufsichtsrat sowohl bei Kontroll- als auch bei Beratungsthemen Nachholbedarf hat, was Wissen und Kompetenz angeht. Die Aufsichtsräte schätzen sich selbst deutlich besser ein. Das geht aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum hervor, für die 44 Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder österreichischer Unternehmen befragt wurden. "Damit die Aufsichtsräte ihre Kontrollfunktion auch tatsächlich ausüben können, benötigen sie in erster Linie fundiertes und stets aktuelles Branchen- und Fachwissen", sagt Kienbaum-Experte Alfred Berger. Auch die befragten Aufsichtsräte bewerten eine umfassende Vorbereitung als wichtigstes Kriterium für effiziente Aufsichtsratsarbeit.

Gehaltsunterschiede


45 Prozent der befragten Kontrolleure sehen Chancen für Effizienzsteigerungen im Aufsichtsrat, unter den Vorständen sind lediglich sieben Prozent dieser Meinung. Zentrale Ansatzpunkte für eine effizientere Arbeit sind laut der Studie eine intensivere Vorbereitung der Aufsichtsratssitzungen, eine bessere Qualifizierung der Aufsichtsratsmitglieder und die weitere Professionalisierung des Gremiums. Ein Viertel der Befragten befürwortet einen kleineren Aufsichtsrat. "Mitglieder kleinerer Aufsichtsräte sind eher der Meinung, dass kleine Kontrollgremien effizienter arbeiten können als größere", sagt Berger.

16 Arbeitstage wendet ein Aufsichtsratsvorsitzender durchschnittlich pro Jahr für seine Kontrolleurfunktion auf. Aufsichtsräte benötigen durchschnittlich zwei zusätzliche Arbeitstage jährlich für ihre Tätigkeit. "Je mehr Mandate ein Aufsichtsrat innehat, desto schwieriger ist es für ihn, im Vorfeld die nötigen Informationen zu beschaffen und kritisch zu hinterfragen", sagt Berger.

Die Vorstandsvergütung beurteilt etwa die Hälfte der befragten Manager als teils angemessen, teils überhöht. 42 Prozent der Vorstände halten die Vergütung für fair und leistungsorientiert, unter den Aufsichtsräten ist nur ein Fünftel dieser Meinung.

81 Prozent der Entscheider sind der Ansicht, die Vergütung sollte in einem angemessenen Verhältnis zu den Gehältern des oberen Führungskreises stehen. Ein Vorstandsvorsitzender ist gerecht entlohnt, wenn er das 2,4-Fache des Durchschnittssalärs des oberen Führungskreises verdient, bei einem ordentlichen Vorstandsmitglied ist es das 1,8-Fache, so die Einschätzung der Studienteilnehmer. Tatsächlich sind die Gehaltsunterschiede aber größer: Die Gehälter von Vorstandsvorsitzenden sind fast drei Mal so hoch wie das Durchschnittssalär des oberen Führungskreises, ein ordentliches Vorstandsmitglied verdient das 1,9-Fache, heißt es von Kienbaum. Einer staatlichen Regulierung der Vorstandsgehälter steht rund die Hälfte der Befragten negativ gegenüber.

Compliance wird wichtiger


86 Prozent der befragten Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder messen Compliance eine hohe Bedeutung bei. Dies gilt insbesondere für Banken und Finanzdienstleister sowie börsennotierte Aktiengesellschaften. Die Hälfte der Manager erwartet ein steigendes Budget für Compliance-Themen in den nächsten fünf Jahren. Für ein funktionierendes Compliance-Management brauche es Schulungen der Mitarbeiter und effektive Kontrollmechanismen.