Wien. (del) Sinkende Strompreise, steigende Konkurrenz durch erneuerbare Energien und kein besonders wasserreiches Jahr setzten Österreichs größtem Stromerzeuger, dem Verbund, zu. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Prozent auf 2,835 Milliarden Euro zurück. Das Konzernergebnis sackte um ganze 78,2 Prozent auf 126,1 Millionen Euro ein.

Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) beträgt 808,8 Millionen Euro, nach 1,3 Milliarden im Jahr davor. "Wir hatten mit einer Reihe von Einmaleffekten zu kämpfen", sagt Verbund-Sprecherin Ingun Metelko zur "Wiener Zeitung". Wobei das Ergebnis ein klein wenig besser als erwartet ausgefallen sei, so Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber am Mittwoch vor Journalisten. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch mit einem Konzernergebnis 125 Millionen statt der erzielten 126,1 Millionen gerechnet.

Einer der Gründe für das niedrigere Jahresergebnis ist der weiter sinkende Strompreis. Der Preis für eine Megawattstunde ist im vergangenen Jahr von 49 auf 38 Euro gesunken. "Ein Euro Veränderung im Strompreis schlägt sich mit circa 20 Millionen nieder", sagt Metelko.

Erneuerbare Konkurrenz


Dass der Strompreis derzeit so niedrig ist, liegt zum Teil am niedrigen Ölpreis. Auf der anderen Seite drückt der Anstieg an hoch subventionierten, erneuerbaren Energien, vor allem aus Deutschland, den Strompreis. Derzeit stammen über zwölf Prozent des heimischen Stroms aus erneuerbaren Energiequellen wie beispielsweise Wind, Biomasse oder Photovoltaik.

Strom aus erneuerbaren Ressourcen wird mit Vorrang ins europäische Energienetz gespeist. Auf der anderen Seite drückt billiger Kohlestrom die Preise. Weil derzeit sehr viele CO2-Zertifikate am Markt sind, werden diese sehr billig gehandelt, was wiederum den umweltschädlichen und Treibhausgas-reichen Kohlestrom sehr billig macht. "Wir haben die absurde Situation, dass umweltschädlicher Strom günstiger ist", meint Metelko. Der Verbund hat aber in der Vergangenheit, neben der Wasserkraft, auf thermische Gaskraftwerke gesetzt. Diese produzieren aber im Vergleich zum billigen Öko- und Kohlestrom relativ teure Energie, die schwieriger am Markt abgesetzt wird.

Deswegen hat der Konzern seine Produktion aus Wärmekraft um fast die Hälfte auf 2031 Gigawattstunden zurückgefahren. In der Steiermark wurde das Ölkraftwerk Neudorf/Werndorf II geschlossen. Im April soll das Steinkohlekraftwerk Dürnhorn stillgelegt werden. Im Oktober hat man sich per Vertrag von zwei Gaskraftwerken in Frankreich getrennt. Auch das verhältnismäßig neue Gaskraftwerk in Mellach sollte geschlossen werden. Die Stadt Graz hat allerdings eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach das Kraftwerk als Fernwärme-Ausfallsreserve weiter am Netz gehalten werden muss, um notfalls hochgefahren zu werden.