Wien. (sf) "Die derzeitige Situation ist für die Industrie erfreulich", sagt E-Control-Vorstand Walter Boltz. Die Strom- und Gaspreise für die Industrie sind im Vorjahr im Vergleich zu 2013 gesunken. Die Strompreise für die Industrie betrugen durchschnittlich 4,76 bis 5,48 Cent pro Kilowattstunden (reiner Energiepreis ohne Netzkosten, Steuern und Abgaben) und lagen damit deutlich unter den Haushaltspreisen, die im Durchschnitt zwischen 6,02 und 9,77 Cent pro Kilowattstunde ausmachten. Bei Gas sanken die Preise auf 2,27 bis 3,06 Cent pro Kilowattstunde, Haushaltskunden zahlten 3,42 bis 3,98 Cent.

Fotolia/Joachim Lechner
Fotolia/Joachim Lechner

Während bei Großkunden kein Gewinn für die Unternehmen drinnen sei, gebe es für Haushaltskunden einen Aufschlag bis zu 100 Prozent auf die Großhandelspreise, so Boltz. Die sinkenden Strom-Großhandelspreise werden laut dem E-Control-Vorstand nicht ausreichend an Haushaltskunden weitergegeben, weil diese offenbar zu wenig preissensibel seien. Deshalb bestehe derzeit ein relativ großer Unterschied zwischen den Großhandels- und Haushaltspreisen.

Großhandelspreise
bleiben niedrig

Bei Haushaltskunden rechnet Boltz heuer mit Preissenkungen von fünf bis zehn Prozent - obwohl analog zu den Großhandelspreisen eine Senkung um 25 Prozent drin wäre. "Wir gehen davon aus, dass die Strom-Großhandelspreise nachhaltig niedrig bleiben werden, weil es in Europa mehr Stunden gibt, in denen ein Stromüberschuss erzeugt wird", so der Vorstand der Regulierungsbehörde.

Aktuell liegt der Börsenstrompreis für den gemeinsamen deutsch-österreichischen Markt bei 35 Euro pro Megawattstunde und ist damit seit 2008 stark gefallen. Aufgrund der Überversorgung am Gasmarkt rechnet die E-Control mit sinkenden Gaspreisen.

Endkunden müssten damit rechnen, dass die reinen Energiekosten für die Lieferung von Strom weiter sinken werden, durch steigende Systemkosten würde die Stromrechnung insgesamt bestenfalls gleich hoch bleiben. Im Vorjahr stieg der Verbraucherpreisindex für Strom aufgrund der Erhöhung der Ökostromkosten auf den bisher höchsten Stand seit der Liberalisierung 2001.

268.000 Haushalte und Unternehmen haben 2014 hierzulande im Vorjahr ihren Strom- und Gaslieferanten gewechselt - so viele wie noch nie zuvor. Mit jährlichen Wechselraten von 3,5 Prozent bei Strom und 4,6 Prozent bei Gas wurden "für österreichische Verhältnisse Rekordwerte erreicht", sagt E-Control-Vorstand Martin Graf.

Seit der Marktöffnung haben 930.000 Haushalte ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt. Die E-Control sieht ein zusätzliches Potenzial von 890.000 wechselbereiten Haushalten. Je mehr Kunden wechseln, desto größer werde der Druck auf etablierte Strom- und Gaslieferanten, ihre Preise zu senken. Derzeit sind 138 Stromlieferanten und 32 Gasversorger für Haushalts- und Gewerbekunden am Markt.

"Je mehr geförderte Anlagen es gibt, desto mehr Marktverzerrung gibt es", sagt Graf. Er plädiert dafür, die Förderungen für Erneuerbare Energien zu durchforsten.

Whistleblower-Plattform

Mit Montag hat die E-Control eine Whistleblower-Plattform gestartet. Auf einer abgesicherten Website, die von einem Dienstleister im Auftrag der E-Control betrieben wird, können Hinweise zu Insiderhandel, Marktmanipulation oder Wettbewerbsverstößen im Strom- und Gasbereich abgegeben werden. Derartige Delikte bleiben laut Boltz "ohne Hinweise aus dem Markt häufig im Verborgenen."