Wien. (apa/kle) Heute, Mittwoch, entscheidet der Aufsichtsrat des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns OMV über die Zukunft von Vorstandschef Gerhard Roiss. Ursprünglich war für diese Sitzung geplant, einen Nachfolger zu bestellen. Denn im vergangenen Oktober war ja beschlossen worden, dass Roiss’ Vertrag vorzeitig mit Ende Juni 2015 aufgelöst wird. Doch zuletzt formierte sich politischer Widerstand gegen die gewichtige Personalie.

Hintergrund ist die bevorstehende Umwandlung der staatlichen Industrieholding ÖIAG in eine GmbH (ÖBIB), aber auch ein Machtkampf um die OMV und gegen Noch-ÖIAG-Chef Rudolf Kemler. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim sagte kürzlich, Kemler habe das Vertrauen des Eigentümers - der Republik, die ihn vorzeitig als ÖIAG-Chef abberuft - nicht mehr. Deshalb solle Kemler als scheidender OMV-Präsident nicht über diese Personalie entscheiden.

Unterdessen berichtete die Tageszeitung "Der Standard" in ihrer Dienstagausgabe, die Weichen für die Nachfolge von Roiss seien gestellt. Eine Person habe sich herauskristallisiert, die mehrheitsfähig zu sein scheine. Dem Blatt zufolge soll es sich um einen deutschen Manager handeln, der aus der Energiebranche komme und über beste Kontakte nach Russland verfüge. Im Februar hatte das Wirtschaftsmagazin "Format" den deutschen Öl-Manager Bernhard Schmidt als heißesten Kandidaten für den OMV-Chefposten genannt.

Die Tageszeitung "Die Presse" berichtete am Dienstag hingegen, die SPÖ versuche gerade, die Belegschaftsvertreter im OMV-Aufsichtsrat umzustimmen, um die Personalentscheidung zumindest zu vertagen. Dem Bericht zufolge hat ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz Abu Dhabi zudem persönlich mitgeteilt, Österreich empfände es quasi als unfreundlichen Akt, sollte das Emirat gegen die Interessen der österreichischen Regierung agieren. Dessen Staatsfonds Ipic hält 24,9 Prozent an der OMV und hat seine Anteile mit den 31,5 Prozent der ÖIAG in einem Aktionärssyndikat gebündelt.

Gazprom statt Ipic?

Laut "Kurier" ist noch offen, ob die Neubesetzung des OMV-Chefpostens am Mittwoch oder erst in einer weiteren Aufsichtsratssitzung in ein oder zwei Wochen entschieden wird. Die Gespräche zwischen ÖIAG und Ipic sollen noch nicht abgeschlossen sein. Der "Standard" brachte am Dienstag zudem erneut das Gerücht ins Spiel, Ipic könnte aus der OMV aussteigen und von der russischen Gazprom beerbt werden.